Die 1&1 Cloud Computing Mogelpackung!!!

[ 4 ] Januar 12, 2010 |

Auch der deutsche Internet- und Webhostinganbieter 1&1 ist in das Cloud Computing Geschäft eingestiegen, so scheint es zumindest. [1] Schauen wir uns das Angebot allerdings genauer an, sehen wir deutlich, dass es sich hierbei nicht um Cloud Computing handelt! Viel mehr um das „manuelle Skalieren per SCHIEBEREGLER“.

1&1 wirbt mit dem Slogan:

Heute 10 und morgen 1.000 Kunden?
Mit dem 1&1 Dynamic Cloud Server können Sie die Leistung Ihres Systems jederzeit flexibel an Ihre Bedürfnisse anpassen.

Jederzeit… OK, Flexibel… OK, SIE???… Warum ICH?

Ein Blick auf die Technologien und Angebote von Amazon, Google, GoGrid oder anderen Cloud Computing Anbietern zeigt doch, dass die Skalierung AUTOMATISCH und nicht manuell per SCHIEBEREGLER stattfinden muss um die Lastspitzen abzufangen. Bei dem Angebot von 1&1 müsste ICH also geduldig vor meinem Webfrontend sitzen und mir die aktuelle Last anschauen und dann mit dem SCHIEBEREGLER abschätzen wie weit ICH skalieren soll.

Das Preismodell hat übrigens auch nichts mit Cloud Computing zu tun! Wo ich bei den oben genannten Anbietern jeweils für die tatsächlich genutzten Ressourcen bezahle, habe ich bei dem „1&1 Dynamic Cloud Server“ mit der Minimalkonfiguration (1x Prozessorkern, 1 Gigabyte RAM, 100 Gigabyte Festplattenplatz) einen monatlichen Grundpreis von 39,99 Euro. Jede weitere Aufrüstung um einen Prozessorkern, 1 Gigabyte mehr Arbeitsspeicher oder 100 Gigabyte mehr Speicherplatz kosten jeweils 5,- Euro Aufschlag. Damit wären wir mit einer Maximalkonfiguration (4x Prozessorkern, 15 Gigabyte RAM, 800 Gigabyte Festplattenplatz) bei einem monatlichen Grundpreis von 159,99 Euro.

Das eine Maximalkonfiguration angeboten wird ist ebenfalls erstaunlich. Bei allen anderen Cloud Computing Anbietern kann ich so viele Ressourcen haben wie ich möchte!

1&1, bitte benennen Sie das Angebot doch zu dem um, was es tatsächlich ist („manuelle Skalierung meines virtuellen Servers per SCHIEBEREGLER“) und seien Sie den Menschen gegenüber ehrlich!

Fazit: Nicht empfehlenswert!

Quellen:
[1] „1&1 Dynamic Cloud Server“

Tags: , ,

Category: Services

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.

Comments (4)

Trackback URL | Comments RSS Feed

Sites That Link to this Post

  1. CloudUser | Ξxpert » “Cloud” Storage von Host Europe? Naja, … | Februar 3, 2011
  2. In ein paar Jahren sagen wir Cloud wenn wir Internet meinen › CloudUser | Juni 15, 2012
  1. Christian Schab sagt:

    „Mindestvertragslaufzeit 12 Monate, einmalige Einrichtungsgebühr 39 €.“
    Unter Cloud Computing verstehe ich was anderes :-)

  2. Mathias sagt:

    Also erstmal: durchatmen. Cloud ist ein Hype, klar das jeder mitreiten will. Aber erstmal Fakten sammeln:

    * Du laesst es wirken als ob GoGrid, Amazon, Rackspace und Co. es zulassen Server mit unlimitierten Ressourcen zusammen zu stellen. Amazon hat eine vordefinierte Reihe an Setups, ausserhalb deren Reihen man null Spielraum hat, Rackspace laesst maximal 15GB RAM zu, genauso wie 1&1. Bei GoGrid ist bei 16GB Schluss, alle arbeiten in fixen Schritten, nicht mit flexibler Zuweisung nach Gutduenken. Das ist also Humbug.
    * Manuelle Skalierung ist immer noch besser als auf neue Server warten zu muessen. Es ist nicht zwingend das, was sich der Cloud-Experte als Cloud vorstellt, aber es ist ein Fortschritt schon allein gegenueber traditionellen vServern.
    * Aus deinem Artikel kann ich nur schliessen dass du das Angebot nicht einmal ausprobiert hast. Kann man bei einem Grundpreis und monatlicher Abbuchung nicht unbedingt veruebeln, aber es ist recht anmassend, deswegen von diesem Angebot abzuraten. Ein vergleichbares System (15GB mit 4 Cores) kostet bei Amazon mehr als das doppelte, und es wuerde mich nicht wundern, wenn die 1&1 Server bessere Performance abliefern als vergleichbare EC2-Instanzen.

    Ich bin mit der Hype-Kurve des 1&1 Angebots auch nicht wirklich gluecklich, aber da darf man ruhig mal die Kirche im Dorf lassen. Was Cloud-Computing ist, ist immer noch Definitionssache. Wenn man’s strikt auslegt, gehoert das Angebot von 1&1 sicher nicht dazu. Aber bevor man sich so eine Meinung bildet und zu abwertend drueber berichtet, sollte man es vielleicht wenigstens mal ausprobiert haben.

    Auch wenn der Schieberegeler wie ein Spielzeug fuer dich wirkt, Ressourcen einfach so aendern kann ich z.B. bei EC2 nicht.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.