Private Cloud Computing

[ 3 ] Februar 21, 2012 |

Matthias Rechenburg ist Projektmanager von openQRM und CEO der openQRM Enterprise. Im Interview spricht er über das Thema Private Cloud Computing und wie damit die Effizienz des Rechenzentrums verbessert werden kann.

CloudUser: Eine Private und eine Public Cloud haben prinzipiell dieselbe DNA. Was sind die Eigenschaften, die den Unterschied ausmachen?

Matthias Rechenburg: Die Grenzen zwischen Private und Public Clouds sind fließend. In einer Private Cloud werden die verfügbaren Cloud-Ressourcen (z.B. virtualisierte Hosts) “in-house” betrieben. Das heißt, ein in der eigenen Firma beschäftigter Systemadministrator oder die IT-Abteilung kümmert sich um die Verwaltung und Administration der Cloud. Ein Pool firmeneigener Server wird mithilfe einer Private Cloud den Mitarbeitern flexibel und dynamisch zur Verfügung gestellt.

Im Gegensatz dazu werden in Public Clouds “öffentliche” Ressourcen angeboten, die von “externen” Systemadministratoren des Public Cloud Anbieters zur Verfügung gestellt werden. Hierbei muss man speziell den Aspekt der Datensicherheit beachten, da firmeneigene Daten auf “extern” verwalteten Systemen gespeichert werden.

Eine Vermischung von Private und Public Clouds findet statt, wenn eigene und öffentliche Ressourcen verwendet werden. Man spricht dann von Hybrid Cloud Computing.

CloudUser: Böse Zungen behaupten, dass die Kostenvorteile, die man durch eine Public Cloud erhält, mit einer Private Cloud obsolet sind. “Es handelt sich dabei doch nur um Virtualisierung!” Wie stehst Du dazu?

Matthias Rechenburg: Die Private Cloud verbindet Virtualisierung mit kompletter Automation. Die Automation macht die Dynamik in der Cloud erst möglich. Eine Private Cloud ermöglicht es dem Betreiber, seine vorhandenen Ressourcen (Server Systeme) effizienter zu nutzen und die Zeit, die es benötigt, um ein neues System betriebsfertig bereitzustellen, erheblich zu reduzieren. Auch werden dank dem Cloud Abrechungssystem Ressourcen wieder freigestellt und können für andere Zwecke weitergenutzt werden. Das spart die Anschaffung neuer Server Systeme durch bessere Ausnutzung der vorhandenen Ressourcen.

Des Weiteren geht es beim Private Cloud Computing um den Betrieb von eigenen Systemen. Das heißt, der Cloud Betreiber muss sich nicht nur um die Virtualisierung kümmern, sondern um den kompletten Betrieb des Data-Centers. Hierbei lässt sich mithilfe von Standardisierung, die von der Cloud vorgegeben wird, und Automatisierung eine erhebliche Kostenersparnis erzielen. Z.B. bieten einige Cloud Systeme auch die Integration mit Out-of-Band Management, die automatisch Server, die momentan nicht benötigt werden, ausschalten und bei Bedarf wieder “wecken”.

Die möglichen Kostenersparnisse mittels Private Cloud Computing verteilen sich also auf unterschiedliche Aspekte :

  • bessere Ausnutzung vorhandener Hardware
  • effizientere Administration durch Standardisierung
  • Zeiteinsparung durch Automation
  • weniger Stromverbrauch durch intelligentes und automatisiertes Out-of-Band Management

CloudUser: Nachdem in den vergangenen Jahren zahlreiche Anläufe unternommen wurden, um eine Definition für Cloud Computing zu finden, wird sich nun auf den Unterschied zwischen einer Public Cloud und einer Private Cloud gestürzt. Wie würde die Definition einer Private Cloud von Dir lauten?

Matthias Rechenburg: Eine Private Cloud ist eine Abstraktion von “eigenen” Data-Center Ressourcen mittels eines “ Service”.

CloudUser: Mittlerweile setzen eine Vielzahl von Unternehmen auf Virtualisierung, um ihre Server zu konsolidieren und damit Platz einzusparen und Kosten zu reduzieren. In welchen Fällen sollte man weiterhin eine klassische Virtualisierung verwenden und wann zu einer Private Cloud wechseln?

Matthias Rechenburg: Mit Virtualisierung und klassischer Administration stößt man schnell auf Grenzen der Administrierbarkeit. Die Konsolidierung mithilfe von Virtualisierung hat normalerweise zur Folge, dass man nun viel mehr Systeme verwalten muss als zuvor. Der Systemadministrator ist bei der Verwaltung und dem Betrieb großer Rechenzentren immer noch das “Bottleneck”. Hier bietet Private Cloud Computing eine Lösung.

Eine Private Cloud passt z.B. perfekt in ein jedes QA- und Entwickler Team. Mittels effektiver Ressourcenplanung und optimierter Nutzung der vorhandenen Systeme lässt sich die Effizienz beider Teams erheblich steigern. Ein QA Mitarbeiter kann sich so zu jeder Zeit ein “frisches” Test-System bestellen und direkt nutzen, ohne auf Arbeiten des Systemadministrators warten zu müssen.

CloudUser: Welches ist Deiner Meinung nach der richtige Weg zur Nutzung einer Public Cloud? Sollte man mit einer Private Cloud beginnen, dann eine hybride Cloud betreiben und dann erst komplett in eine Public Cloud wechseln? Oder lieber konkrete Projekte direkt in eine Public Cloud verlagern?

Matthias Rechenburg: Ob man Private-, Public-, oder Hybrid-Cloud Computing verwendet, hängt immer stark davon ab, was man überhaupt bewerkstelligen möchte. Bessere Effizienz der eigenen Ressourcen bietet uns die Private Cloud. Lastverteilung und die Verwendung von extern verwalteten Ressourcen bietet uns die Public Cloud. Speziell für alle Anwendungen und Services, die hohe Lastspitzen (“peaks”) in der Ressourcen Nutzung aufweisen (z.B. Shopsysteme zum Weihnachtsgeschäft), sind speziell die Public Clouds eine gute Möglichkeiten diese Lastspitzen abzufangen ohne weiter eigene Ressourcen anschaffen zu müssen.

Nicht nur auf Grund der vollen Flexibilität, aber vor allem um den sogenannten “Vendor-lockin” in der Cloud zu vermeiden, ist Hybrid Cloud Computing ein sehr wichtiger Aspekt. Hybrid Cloud Computing bietet die Möglichkeit, jederzeit Dienste zwischen einer Private in einer Public Cloud zu migrieren aber auch verschiedene Public Cloud Anbieter nutzen zu können. Das heißt, man ist nicht mehr an einen speziellen Public Cloud Anbieter gebunden.

CloudUser: Wie stehst Du generell zu dem Einsatz von hybriden Clouds?

Matthias Rechenburg: Meiner Meinung nach ist der Aspekt des Hybrid Cloud Computing sehr wichtig. Nicht nur um einen “Vendor-lockin” zu vermeiden, aber auch um die volle Flexibilität für den Endbenutzer zu gewähren. Hybrid Cloud ermöglicht es, Dienste in der Privaten Cloud zu entwickeln und sie in der Public Cloud zu betreiben.

CloudUser: Das Thema Schnittstellen, vor allem offene Schnittstellen, wird im Cloud Computing heiß diskutiert. Speziell beim Einsatz einer Private Cloud ist das ein wichtiges Thema, wenn es darum geht, Services von einer Public Cloud zu adaptieren, um damit eine Hybrid Cloud aufzubauen. Wie siehst Du dort derzeit die vorhandenen Systeme und Angebote am Markt?

Matthias Rechenburg: Zitat John Willis : „Every Cloud needs an API“ (jede Cloud benötigt eine Programmier-Schnittstelle)

Die Schnittstellen von Clouds (APIs) werden hauptsächlich dafür genutzt, dem Cloud Betreiber eine Möglichkeit zu geben die Cloud Mechanismen in seine vorhandenen Geschäftsprozesse zu integrieren. Der Quasi-Standard wird von den Amazon Web Services, dem momentan größten Public Cloud Anbieter, vorgegeben, an denen sich eine Vielzahl von weiteren Cloud Projekten orientiert.

Eine gute API macht jedoch noch lange keine Hybrid Cloud!

CloudUser: Ein Unternehmen entscheidet sich dazu, eine Private Cloud aufzubauen. Sollten Sie sich für eine Open Source Variante entscheiden und auf den Support der Community setzen oder für eine proprietäre Variante (Closed Source), bei der ein Unternehmen 24×7 professionellen Support anbietet?

Matthias Rechenburg: Das hängt natürlich davon ab, ob das Unternehmen über eigene Systemadminstratoren und/ oder einer IT-Abteilung mit dem notwendigen Know-How verfügt, um eine Private Cloud selbst zu installieren. Open-Source hat auf jeden Fall immer den Vorteil der Unabhängigkeit meist gepaart mit der Option eines professionellen Support.

CloudUser: Wie kann Cloud Computing generell die Effizienz eines Rechenzentrums erhöhen?

Matthias Rechenburg: Generell sollte man sich die Frage stellen, ob man überhaupt ein eigenes Rechenzentrum betreiben möchte. Die derzeitigen Public Cloud Dienste bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten ohne eigene Server auszukommen. Betreibt man eigene Rechenzentren, bietet eine Private Cloud die Verbesserung der Effizienz der eigenen Systeme durch Standardisierung und Automation. Ist ein Unternehmen Lastspitzen ausgesetzt, sollte es in jedem Fall eine Public Cloud in Betracht ziehen. Durch die Integration von intelligenten Data-Center Management Systemen lassen sich zudem noch erhebliche Stromkosten einsparen ohne an Hochverfügbarkeit zu verlieren.

CloudUser: Wie können sich Unternehmen vor dem gefürchteten Vendor-Lockin schützen?

Matthias Rechenburg: Meiner Meinung nach liegen die Beständigkeit und größtmögliche Flexibilität in freier open-source Software und offener, gut dokumentierter API’s.

Category: Management

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.

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