IT-Strategy: Android im Unternehmenseinsatz

[ 0 ] Oktober 26, 2009 |

Seit seiner Einführung polarisiert das Betriebssystem Android für mobile Endgeräte die IT Branche. Viele halten es für einen Segen, andere Stimmen hingegen kritisieren und warnen vor den Übergriff von Googles Datenkranken im mobilen Bereich. Aber das wird uns in diesem Artikel nicht interessieren. Vielmehr beschäftigen wird uns mit dem Nutzen von Android, speziell im Unternehmenseinsatz.

Was ist Android

Android ist ein von der Open Handset Alliance entwickeltes Betriebssystem bzw. eine Softwareplattform für mobile Endgeräte. Es basiert auf dem freien Betriebssystem Linux sowie Java und steht unter der Apache License. Das Projekt wird insbesondere durch Google vehement unterstützt und vorangetrieben. So ist Google nicht nur für den Großteil der Entwicklung des Betriebssystem sowie der Basisanwendungen verantwortlich, sondern betreibt auch den Android Market, auf dem Android Anwendungen vertrieben und heruntergeladen werden können.

Was spricht für Android

Android basiert auf dem Linux Kernel 2.6 und verwendet speziell für die Plattform angepasste Java und C(++) Bibliotheken. Dazu gehören Basiskomponenten wie Codecs zur Wiedergabe von verschiedenen Medienformaten, OpenGL 3D Bibliotheken sowie eine Browser-Engine. Als Datenbank wird SQLite eingesetzt. Alle Applikationen sind modular aufgebaut und basieren auf einem Gleichberechtigungskonzept. Daher ist man nicht auf einen bestimmten E-Mail Client bzw. eine spezielle Kontaktverwaltung angewiesen.

Derzeit existiert schon eine beträchtliche Anzahl von mobilen Endgeräten (hauptsächlich Smartphones) auf Basis des Android Betriebssystems und immer mehr Hersteller kündigen neue Geräte an. Neben Smartphones gesellen sich mittlerweile aber auch Netbooks und IP-Telefone zu den Angeboten und der Markt wächst weiter.

Auf Grund der freien Verfügbarkeit des Android Codes sowie des einfach gestrickten SDKs (Software Developement Kit) können Anwendungen schnell entwickelt und veröffentlicht werden, wodurch sich das Angebot der verfügbaren Anwendungen täglich vergrößert.

Der Hauptvorteil besteht im Vergleich zu anderen mobilen Betriebssystemen am Markt (z.B. iPhone, Windows Mobil) vor allem in der freien Verfügbarkeit des Betriebssystem Codes. Den Geräteherstellern und Softwareanbietern stehen somit weniger Barrieren im Weg um optimale Lösungen zu entwickeln. Ich sehe aber vor allem für IT-Abteilungen einen enormen Vorteil darin, Android barrierefrei in ihre Applikations- und Infrastrukturstrategie einzubinden und damit einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen.

Mögliche Probleme

Für die ersten Android Versionen (<= Version 1.4.6) war ein Googlekonto, also eine Google Mail Adresse notwendig, um Android überhaupt nutzen zu können. Nach zahlreichen Kritiken ruderte Google zurück, wonach seit der Version 1.5 nun kein Googlekonto mehr erforderlich ist. Einziger Nachteil ist hierdurch der Verzicht auf den Push-Mail Dienst, der nur mit Google Mail funktioniert.

Kontinuierliche Schritte zur ganzheitlichen mobilen Plattform für Unternehmen

Das erste Android Endgerät (HTC Dream | T-Mobile G1) kam am 22.10.2008 auf den Markt. Zielgruppe waren in erster Linie Privatnutzer, die mit einem Googlekonto ihre E-Mails, Termine, Kontakte etc. synchronisieren wollten. Nach nun etwas über einem Jahr entwickelt sich das System langsam aber sicher zu einer mobilen Plattform für den Unternehmenseinsatz. Das kürzlich veröffentlichte Update auf Android 1.6 bringt nun auch die lang ersehnte Möglichkeit mit, das Endgerät via VPN mit einer Gegenstelle zu verbinden. Verbindungen können hierbei über die Protokolle PPTP und L2TP (IPsec PSK bzw. IPsec CRT) hergestellt werden. Darüber hinaus hat Google angekündigt Android weiter für den Unternehmenseinsatz fit zu machen, hier müssen aber auch die Hersteller der Endgeräte ihren Teil dazu beitragen.

Für den Einsatz im Unternehmen stehen mittlerweile Anwendungen für unterschiedliche Bereiche zur Verfügung. Als mobiler Dateimanager ist der Astro File Manager eine gute Alternative. Wie schon auf den Palm Handhelds hat Dataviz ebenfalls für Android eine Version seiner mobilen Office Suite Documents To Go im Portfolio. Über en kostenlosen Viewer können Word Dokumente, Excel Dateien und Power Point Präsentationen betrachtet werden. Die kostenpflichtige Version gestattet dann auch das Erstellen und Bearbeiten der oben genannten Dateien und zusätzlich das Betrachten von PDF-Dateien. Für Administratoren steht das Programm Server up bereit. Damit können Netzwerke und Webserver mobil überwacht werden und es informiert über unterschiedliche Arten u.a. per SMS oder E-Mail, wenn z.B. ein Server nicht mehr erreichbar ist. Salesforce, Anbieter von Geschäftsanwendungen (u.a. CRM) stellt seine Produkte ebenfalls als mobile Versionen mit dem Namen Salesforce Mobile zur Verfügung. Da diese allerdings über den Webbrowser genutzt werden sind sie daher aber nicht auf Android beschränkt. Für den Abruf von E-Mails bzw. die Synchronisation mit einem Microsoft Exchange Server stehen u.a. Anwendungen wie K-9 Mail, TouchDown oder Aardvark bereit.

Der meiner Ansicht nach größte Vorteil von Android, der auch für den Einsatz im Unternehmen spricht ist die Portabilität. Neben Smartphones funktioniert Android bereits auf den immer beliebter werden Netbooks. Aber ebenso der Einsatz auf modernen Kassensystemen, MDEs (Mobile Datenerfassung) und jeder Art von Embedded Systems ist vorstellbar.

Optimales Szenario

Das bisher noch einfachste und bzgl. Android mit dem wenigsten Aufwand verbundene Szenario ist der vollständige Einsatz der Google Infrastruktur. Das setzt allerdings voraus, dass von dem Unternehmen bereits Google Apps für die E-Mail Kommunikation und die Verwaltung der Kalender und Kontakte eingesetzt wird. Android ist per se vollständig in die Google Infrastruktur integriert. Somit werden alle Änderungen die z.B. im E-Mail Postfach oder im Kalender stattfinden automatisch mit den Google Servern synchronisiert. Daher sind die Daten eines Benutzers -egal an welchem Arbeitsplatz (Desktop/ Mobil) er sitzt – immer auf dem aktuellen Stand. E-Mails werden über den Push-Mail Dienst automatisch auf das mobile Endgerät zugestellt. Dies ist wohlgemerkt das optimale Szenario und kann so nicht ohne einen Mehraufwand umgesetzt werden, wenn z.B. ein Exchange Server eingesetzt wird.

Ideal für eine Cloud Strategie

Android verfolgt u.a. den Ansatz des Cloud Computing. Das heißt die Daten liegen dabei in einer Serverfarm im Internet und synchronisieren sich in diesem Fall mit dem mobilen Endgerät.

Entscheidet sich ein Unternehmen z.B. für das oben beschriebene Szenario, bei dem die Daten bei Google gespeichert werden, kann hier auf die Bereitstellung und Wartung der mobilen Infrastruktur im eigenen Rechenzentrum verzichtet werden, was einen klaren Kostenvorteil bedeutet. Ein genereller Nachteil wird an dieser Stelle allerdings vom Cloud Computing geerbt, der Datenschutz. Wird hingegen eine eigene mobile Infrastruktur aufgebaut ergeben sich dadurch aber ebenfalls einige Mehrwerte. Durch das Speichern der Unternehmensdaten auf den Servern und nicht auf dem mobilen Endgerät sind die Daten geschützt. Das Endgerät kann im Falle eines Diebstahls oder anderen Missgeschicken jederzeit zentral gesperrt bzw. generell zentral administriert werden. Telefongespräche können über das Unternehmensnetzwerk stattfinden. Die Gespräche werden vom mobilen Endgerät gestartet und anschließend vom Unternehmensnetzwerk geroutet (z.B. in das Festnetz) und gesteuert. Der Vorteil besteht in der deutlichen Trennung von privaten und geschäftlichen Gesprächen, der Nutzung einer einzigen Rufnummer und den Zugriff auf die zentrale Kontaktdatenbank des Unternehmens. Neben (mobilen) Telefonkonferenzen über das Unternehmensnetzwerk unabhängig von Ort/ Zeit und beliebig vielen Benutzern besteht die Möglichkeit den aktuellen Status jedes Benutzers abzufragen um so zu sehen ob dieser gerade Verfügbar ist. Weiterhin haben u.a. Außendienstmitarbeiter Zugriff auf sämtliche Daten (z.B. CRM oder ERP) von jedem Ort mittels einer (mobilen) Internetverbindung.

Ein interessanter Ansatz kommt aus einem Forschungsprojekt der Berkeley University. Bei der sogenannten Clone Cloud [1] werden besonders ressourcen- und rechenintensive Aufgaben auf Serverfarmen ausgelagert. Dabei kommuniziert das mobile Endgerät mittels einer Breitband Internetverbindung (UMTS/ 3G) mit einer exakten Kopie seiner Software (Betriebssystem + Anwendungen) auf der Serverfarm. Für besonders anspruchsvolle Aufgaben wie z.B. die Bilderkennung, werden einzelne Teilaufgaben in die Cloud ausgelagert um den Verarbeitungsprozess zu beschleunigen.

Reflexion

Es bleibt spannend wie sich Android entwickeln wird. Dennoch ist das Betriebssystem auf dem besten Weg sich im Unternehmensumfeld zu etablieren. Die freie Verfügbarkeit des Betriebssystem Codes stellt dabei den größten Vorteil dar. Unternehmen haben damit die Möglichkeit das mobile Endgerät uneingeschränkt und optimal auf ihre Applikations- und Infrastrukturstrategie anzupassen und nicht umgekehrt, wie es bei anderen Angeboten auf dem Markt der Fall ist. Darüber hinaus sind sie nicht mehr nur auf Smartphones beschränkt, sondern können ebenfalls Netbooks und viele weitere Formen von Embedded Systems verwenden um ihre Mitarbeiter mobil an das Unternehmen anzubinden und ihre Geschäftsprozesse optimal zu unterstützen.

[1] Clone Cloud

Category: Management

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.

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