Interview mit Philipp Strube von cloudControl

[ 1 ] September 21, 2010 |

Wer ist cloudControl?

cloudControl sind meine beiden Mitgründer Tobias Wilken, Thomas Ruland, unser Team und ich. Nachdem ich im Oktober 2008 die Idee hatte eine Plattform wie cloudControl zu entwicklen konnte ich sehr schnell Tobias und später auch Thomas die ich beide bereits seit über 10 Jahren kenne für die Idee begeistern und als Mitgründer gewinnen.

Was ist cloudControl? Wie sieht euer Angebot aus?

cloudControl ist eine Platform-as-a-Service Lösung, die es Entwicklern, ohne sich um die zugrunde liegenden Hard- und Software kümmern zu müssen, erlaubt Webapplikationen zu entwickeln und zu hosten. Die Plattform unterstützt zur Zeit PHP als Programiersprache und lässt sich mittels einer ersten Auswahl an Add-ons entsprechend den Bedürfnissen des Entwicklers anpassen. In Zukunft wollen wir sowohl die verfügbaren Sprachen, als auch die Anzahl der Add-ons ausbauen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen. Was war bzw. was ist eure Motivation? Wie lange war die Realisierungsphase von der eigentlichen Idee bis zur ersten brauchbaren Implementierung.

Die Idee entstand aus eigenem Bedarf heraus. Vor cloudControl habe ich mit Tobias zusammen bereits ein anderes Startup gegründet. Hier hätten wir cloudControl gut gebrauchen können. Insbesondere die Möglichkeit sich voll auf die eigene Applikation zu konzentrieren ohne sich um die Administration der Infrastruktur kümmern zu müssen und die verbrauchsgenaue Abrechnung hätten uns damals sehr geholfen. Wie bereits beschrieben geht diese Idee auf den Oktober 2008 zurück. Von da an ist viel Zeit in die Teamfindung, Konkretisierung der Idee, Prototypenentwicklung und Investorensuche geflossen. Nach einer kurzen geschlossenen Beta konnten wir jetzt gerade vor kurzem den Einladungscode entfernen und sind nun für alle Entwickler geöffnet.

Was waren bisher eure größten Hindernisse?

Die meisten Hindernisse sind, wie zu erwarten, technischer Natur. Die cloudControl Plattform besteht um die verschiedenen Funktionen bereitzustellen aus unzähligen Komponenten. Hier alles unter einen Hut zu bringen und unter den verschiedensten Bedingungen funktionstüchtig zu halten hat uns einige schlaflose Nächte gekostet.

Als Platform as a Service Anbieter steht ihr im Wettbewerb u.a. mit der Google App Engine. Was hebt euch von Angeboten anderer Anbieter ab?

Gerade von Google App Engine unterscheidet sich unsere Plattform stark, da wir im Gegensatz zu Google auf einen offene Plattform ohne Lock-In Effekt setzen. Die zwingende Nutzung der verschiedenen Google APIs im eigenen Quelltext macht es insbesondere bei großen Applikationen zu einem späteren Zeitpunkt nahezu unmöglich den Anbieter zu wechseln. cloudControl hingegen setzt ausschliesslich auf Open Source Komponenten auf. PHP Entwickler zum Beispiel arbeiten bei cloudControl auf dem vertrauten und erprobten LAMP-Stack wie sie ihn kennen und lieben.

Cloud Computing steht weiterhin stark in der Kritik ein „Hype“ zu sein. Der Sinn und Zweck wird von vielen weiterhin nicht verstanden. Merkt ihr etwas davon im Kontakt mit euren Kunden in Gesprächen? Wie ist die Resonanz auf euer Angebot?

Die Resonanz auf unser Angebot ist sehr positiv. Durch unseren klaren Nutzen für Webentwickler und unseren starken Fokus auf genau diese Zielgruppe halten wir uns aus dem allgemeinen Erklärungschaos raus. Die allgemeine Aufklärungsarbeit überlassen wir größtenteils den Googles, Microsofts und Amazons dieser Welt.

Cloud Computing hat speziell in den Bereichen Sicherheit und Datenschutz seine Kritiker. Wie steht ihr diesen Themen gegenüber?

In unserem speziellen Fall, dem Hosting von Webapplikationen (wenn auch endlich nicht mehr auf dem Technologiestand der letzten Dotcom-Blase) ändert sich für den Kunden so gut wie nichts. Die Applikationen laufen immernoch in Rechenzentren betrieben von Anbietern auf Hard- und Software. Neu am Cloud Computing ist nur die Art der Bereitstellung. Dass Rechenleistung und Speicherplatz bedarfsgerecht und jederzeit selbstständig genutzt werden können.

Wo wir beim Thema Datenschutz sind. Cloud Computing ist ein globaler Ansatz, wo die Daten weltweit verteilt sein können. Wo werden eure Daten gehosted?

Zur Zeit sind wir ausschliesslich auf den europäischen Markt fokussiert. Dementsprechend beziehen wir auch unsere Server von Anbietern mit europäischen Standorten.

Wie steht ihr zu der Idee, eine “Deutsche Cloud” zu entwickeln?

Schwachsinn. Eine deutsche Cloud zu entwickeln würde vorraussetzen, dass es dann mehrere Clouds gäbe. Da das Wort Cloud aber gleichbedeutend mit dem Wort Internet sein muss und es nicht mehrere Netze zwischen Netzen geben kann, weil es sonst immernoch nur einzelne Netze wären kann es auch nur eine Cloud geben. Deutsche Cloudanbieter, von mir aus. Alles andere halte ich für lächerliche Aufmerksamkeitshascherei von schlecht informierten Leuten.

Ich habe die These, dass nur eine transparente Cloud bzw. ein transparentes Cloud Angebot erfolgreich ist. Für wie transparent haltet ihr euer Angebot und warum?

Echte Cloud Angebote können nicht intransparent sein. Es ist zwingend erforderlich, dass der Nutzer des Angebots jederzeit selbstständig die Ressourcen des Angebots kontrollieren kann und dass der Verbrauch exakt abgerechnet wird. Dies setzt zwingend vorraus, dass der Nutzer damit auch vollen Zugriff auf die verschiedenen Eckdaten haben muss. Dementsprechend schliesen sich Intransparenz und Cloud schon in dem Moment aus, indem es sich um eine echte Cloud Lösung handelt. Im allgemeinen Hype und beim allgegenwärtigen Cloud Washing sind die aber manchmal garnicht so einfach zu finden.

Über Philipp Strube

Philipp Strube ist Gründer und Geschäftsführer von cloudControl. cloudControl entwickelt eine hochverfügbare und skalierbare Cloud Hosting Lösung für moderne Webapplikationen.

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Category: Management

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.

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