Zerlegt: Forrester Cloud Computing Vorhersagen 2013

[ 0 ] Dezember 11, 2012 |

Wie viele andere große Analystenhäuser hat auch Forrester in seine ganz persönliche Glaskugel geschaut und Vorhersagen für den Cloud Computing Markt getroffen, die im Jahr 2013 wirklich zutreffen sollen. Insgesamt sind es zehn Theorien, die hier nachgelesen werden können. Ich habe die für mich drei interessantesten Aussagen aufgegriffen und aus meiner Sicht beleuchtet.

Cloud und Mobile werden eins

Laut Forrester steckt heutzutage nur ein sehr kleiner Mehrwert in einer mobilen Applikation die sich nicht mit einem Back-End im Internet verbindet. Diese Back-Ends befinden sich in der Cloud, da ein gewöhnliches Rechenzentrum ansonsten einer unvorhersagbar Last ausgesetzt sind.

Diesem muss ich widersprechen. Denn diese Vorhersage ist schon längst eingetreten. Schauen wir uns mobile Apps auf iOS, Android oder Windows Phone an, wird schnell deutlich, dass sich die meisten Daten bereits nicht mehr auf dem lokalen Endgerät befinden und stattdessen live von einem Server geladen werden. Bekannte Beispiele sind Foursquare, Dropbox, Google Drive, SkyDrive, Facebook, Twitter, Google Plus, Analytics Tools, Instagram, Evernote (hybrid), usw.

Mehr zu dem Thema unter „Die mobile Cloud ist der wahre Megatrend“ aus dem März 2011.

Wir werden das Thema Cloud SLA weniger betonen

Forrester hat verstanden, dass Applikationen so entwickelt werden müssen, dass sie sich selbst schützen. Anstatt die Elastizität in die Anwendung zu implementieren, sollte nun auf Best Practice Ansätze gehört werden. Ebenso verhält es sich mit der Ausfallsicherheit aus der Cloud Plattform heraus.

Man sagt dazu auch „Design for Failure“, denn „Everything fails everytime“, auch Cloud Infrastrukturen. Cloud Computing per se liefert dem Kunden keine Hochverfügbarkeit, es stellt aber die Mittel und Wege bereit, um Hochverfügbarkeit zu erreichen. Speziell im Bereich Infrastructure-as-a-Service muss man darauf achten und die Eigenschaften der horizontalen Skalierbarkeit einer Cloud Infrastruktur nutzen, um seine Applikation und die Systeme so verfügbar wie möglich auslegen. Das bedeutet nicht nur einen Server einsetzten, sondern mehrere verteilt über verschiedene Availability Zones (Rechenzentren) und Regionen (weltweite Streuung). Als Cloud-Architekt muss man sich die Skalierbarkeit der Cloud zu Nutze machen und das Design der Anwendung für verteilte Infrastrukturen auslegen. Das bedeutet ebenfalls, dass automatisch ein neuer Server hochgefahren wird, wenn die Last zunimmt und auch automatisch wieder herunterfährt wenn er nicht mehr benötigt wird.

Dennoch sollte man die Anbietern hinsichtlich der SLAs nicht aus den Augen verlieren. Der Service-Level muss stimmen und eingehalten werden. Meiner Ansicht nach sind die „Schmerzen“ für die Anbieter nicht groß genug, wenn etwas passiert. „Nur“ die Kosten erstatten, die während des Zeitraums des Ausfalls angefallen sind, reicht nicht aus.

Wir hören auf die Cloud mit AWS gleichzusetzen

Während Amazon AWS mit einem Marktanteil von 70% zu dem größten und Einflussreichsten Cloud Anbieter aufgestiegen ist, sieht Forrester für das kommende Jahr ein paar Konkurrenten, die vergleichbar mit Amazons angeboten sein werden. Dazu zählt Forrester z.B. Microsoft Windows Azure, Googles Cloud oder OpenStack basierte Clouds.

Die stärkste Konkurrenz zu den Amazon Web Services ist, wie Forrester richtig sagt, Microsoft Windows Azure und die Google Cloud Platform. Alle andere müssen massiv aufholen, da die meisten nur(!) Infrastruktur anbieten. Amazon hat es geschafft viele Mehrwert-Services um die AWS Infrastruktur aufzubauen, mit denen die Kunden die „dumme“ Infrastruktur auch gewinnbringend nutzen können. Genau so verhält es sich mit Microsoft und Google. Andere Public Cloud Anbieter dagegen haben nur Rechenleistung und Speicherplatz, das war es dann aber auch. Manche reden derzeit zwar viel darüber, dass sie ein neuartiges IaaS haben (quasi ein IaaS der nächsten Generation), dahinter steckt aber weiterhin nur dumme Infrastruktur, mit der ein Kunde erst einmal nicht viel anfangen kann.

Ein guter Ansatz für einen IaaS der nächsten Generation ist Infrastructure-as-a-Platform. Denn aktuelle IaaS wie AWS sind sehr kompliziert zu verstehen und daher ebenfalls schwer zu nutzen.

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Category: Kommentar

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.

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