Top Cloud Computing Washer – Diese Unternehmen sagen die Unwahrheit über ihre Produkte

Juli 23, 2013 |

Seit Beginn des Cloud Computing versuchen die alten Hardwarehersteller ihr Geschäft vor Umsatzeinbrüchen zu retten, indem sie ihre Speicherlösungen wie NAS (Network Attached Storage) oder anderweitige Lösungen als „Private Cloud“ Produkte verkaufen, um sich damit gegen echte flexible, skalierbare und verfügbare Lösungen aus der Cloud zu positionieren. Der Amerikaner nennt diese Art des Marketing „Cloud-Washing“. Selbstverständlich nutzen diese Anbieter die aktuelle politische Lage (PRISM, Tempora, usw.), um das Marketing um ihre Produkte weiter zu verstärken. Tragischerweise springen auch junge Unternehmen auf diesen Zug mit auf. Denn was die Alten können, dürfen sie schließlich auch. Falsch gedacht. Was diese Anbieter jedoch überhaupt nicht interessiert ist, dass sie echte Anbieter von Cloud Computing Lösungen damit rücksichtslos mit Füßen treten. Das ist falsch und eine Wettbewerbsverzerrung, da mit Marketingfloskeln geworben wird, die nachweislich nicht erfüllt werden können. Unterm Strich wird also nicht nur der Mitbewerb und die Cloud von diesen Anbietern in ein falsches Licht gerückt, sondern ebenfalls dem Kunden ein Produkt mit falschen Vorstellungen verkauft. Der eine oder andere Entscheider wird mit Sicherheit bald sein böses Erwachen erleben.

Hintergrund: Cloud Computing vs. Cloud-Washing

Auf CloudUser sind in den letzten Jahren viele Artikel zum Thema Cloud-Washing erschienen. Hier eine kleine Auswahl:

Was sagt denn Wikipedia?

Private Cloud, laut Wikipedia

„Private Cloud – die private Rechnerwolke – bietet Zugang zu abstrahierten IT-Infrastrukturen innerhalb der eigenen Organisation (Behörde, Firma, Verein).“

Nach der NIST Definition, laut Wikipedia

Das NIST listet fünf essenzielle Charakteristika für Cloud-Computing

  • Selbstzuweisung von Leistungen aus der Cloud durch den oder die Nutzer, die bei Bedarf bereitstehen soll („Self-service provisioning“ und „As-needed availability“).
  • Skalierbarkeit bietet die Entkopplung von Nutzungsschwankungen und Infrastrukturbeschränkungen (Scalability).
  • Zuverlässigkeit („reliability“) und Ausfalltoleranz („fault-tolerance“) garantieren permanent definierte Qualitätsstandards der IT-Infrastruktur für den Nutzer.
  • Optimierung und Konsolidierung bietet Effizienz und Ökonomie in Anpassung an fortlaufende Umweltschutzstandards, die sukzessive vom Cloud-Diensteanbieter optimiert werden können (Optimization/Consolidation).
  • Qualitätssicherung und -kontrolle kann fortlaufend durch den Diensteanbieter überwacht und sichergestellt werden, ohne dass die Nutzer belastet werden müssten (QoS – Quality of Service).

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Cloud-Computing

Top Cloud Computing Washer

Protonet

Der neueste Geniestreich aus der Hamburger Startup-Szene. Ein NAS mit einer graphischen Oberfläche für Social Collaboration in einer wirklich(!) hübschen orangen Box wird als Private Cloud vermarktet. Dabei wird selbstverständlich das PRISM-Pferd geritten.

ownCloud

Bis auf den Namen steckt grundsätzlich erst einmal nicht viel Cloud in ownCloud. ownCloud ist ein Stück Software mit der sich – nicht ohne großen Aufwand – ein (echter) Cloud-Storage aufbauen lässt. Dafür wird natürlich auch ein Betriebssystem, Hardware und vieles mehr benötigt.

Synology

Synology schreibt selbst, dass sie „… ein Anbieter von dedizierten Network Attached Storage (NAS)-Produkten.“ sind. Fein, warum dann auf den Private Cloud Zug aufspringen? Klar, verkauft sich derzeit gut. Wenn aus der Cloud bald Qloud werden sollte, dann verkauft Synology bestimmt auch Private Qlouds.

D-Link

D-Link ist auch nicht von schlechten Eltern. In einer Pressemitteilung aus dem vergangenen Jahr hieß es großzügig:

D-Link, der Netzwerkexperte für das digitale Zuhause, erweitert die Cloud-Familie um einen neuen Router: Mit dem tragbaren DIR-506L lässt sich die persönliche Datenwolke bequem in die Tasche stecken.

und

D-Link investiert konsequent in die Entwicklung von Cloud Produkten sowie Services. … Bereits verfügbar sind die Cloud Router … mehrere Netzwerkkameras sowie der Netzwerk-Videorekorder …

D-Link cloudifiziert mittlerweile sogar Netzwerkkameras und Netzwerk-Videorekorder, nur um über den Cloud-Zug den Absatz zu erhöhen. Wohlgemerkt auf Kosten und dem Rücken der Kunden.

Oracle

Oracle liebt Hardware und Lizenzen. Das war auch anfangs deutlich zu merken. Vorkonfigurierte Applikationsserver, die für eine monatliche Gebühr anzumieten waren und dann im Rechenzentrum des Kunden installiert werden sollten, wurden als Infrastructure-as-a-Service vermarket. Langsam fängt sich der Anbieter jedoch. Es bleibt abzuwarten, welchen Einfluss die Kooperation mit Salesforce auf Larry Ellison haben wird. Er wird sich bestimmt immer noch ärgern, dass er die Sun Cloud Technologie nach der Übernahme einfach nicht mehr beachtet hat.

Weitere Tipps sind erwünscht

Das sind nur ein paar Anbieter, die den Cloud Computing Zug nutzen, um ihr bestehendes oder sogar neues Geschäftsmodell zu sichern. Wer weitere Tipps hat, darf diese mit dem Betreff „Cloud-Washer“ gerne an clouduser[at]newagedisruption[.]com senden.

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Category: Kommentar

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.

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