„The Woz“ hat Angst vor der Cloud – Na und…?

[ 12 ] August 8, 2012 |

„iWoz“ (Steve Wozniak) aka „The Woz“, Mitbegründer von Apple, hat gesprochen und das Netz hält den Atem an. Das Woz sich gerne zu Themen äußert ist bekannt, aber hier hätte erst einmal überlegen sollen. Versteht mich nicht falsch, ich schätze ihn sehr, hab sein Buch gelesen und verfolge sonst alles was er macht. Aber diese allgemeinen Äußerungen helfen niemanden weiter und sind reine Meinungsmache. Das Problem: Die Medien springen auf seinen Zug mit auf. So gut wie jede englischsprachige und ein paar deutschsprachige Publikationen haben darüber geschrieben.

Ein Interview nach einer Theateraufführung

Nach seinem Besuch einer Theateraufführung zu „The Agony and the Ecstasy of Steve Jobs“ durften die Zuschauer Woz auf der Bühne ein paar Fragen stellen. Dabei kam es u.a. zu den folgenden Aussagen:

„I really worry about everything going to the cloud,“

„I think it’s going to be horrendous.“

„With the cloud, you don’t own anything. You already signed it away.“

„I want to feel that I own things,“ „A lot of people feel, ‚Oh, everything is really on my computer,‘ but I say the more we transfer everything onto the web, onto the cloud, the less we’re going to have control over it.“

Nicht alles auf die Goldwaage legen

Es ist nicht das erste Mal in der jüngsten Vergangenheit, dass Woz unüberlegte Äußerungen macht. Wie Golem schreibt, habe er im November 2010 angekündigt, dass Apple Nuance gekauft habe, wobei das nicht korrekt sei. Er hat sich damit entschuldigt, dass er es wohl falsch verstanden habe. Und auch Kim Schmitz, der nachweislich nicht gerade saubere Geschäfte betreibt, nimmt er mit seltsamen Aussagen in Schutz.

Aus diesem Grund sollte man seine sehr allgemeinen Aussagen ohne Inhalt nicht überbewerten.

Ich stimme ihm zu, das viele (noch) weiterhin das Gefühl brauchen, dass sich die Daten in ihrem Besitz befinden. Daher bin ich auch der Meinung, dass Gartner mit seiner Prognose, dass die Personal Cloud bis 2014 den Computer verdrängt, falsch liegt.

Aber betrachten wir die aktuelle Entwicklung des Mobile Computing, muss man sich die Frage stellen, warum das iPhone oder Android so erfolgreich sind? Es sind die Apps und die mobilen Datenverbindungen. Ohne Apps und mobilem Internet wären Smartphones nicht da wo sie heute sind. Denn sie würden uns keinen nennenswerten Mehrwert bieten. Es ist der Zugriff auf unsere Daten von jedem Ort, die mobile Unabhängigkeit, die Smartphones so beliebt machen.

Und wo befindet sich der Großteil aller Daten, die von den Apps benötigt werden? In der Cloud bzw. auf Servern von den Anbietern dieser Apps. Es ist daher sehr vage zu sagen, dass man Bedenken vor der Cloud hat und seine Daten dort nicht speichern würde, da diese dort nicht mehr im eigenen Dunstkreis sind. Ich habe dazu mal einen Artikel geschrieben, der das genauer betrachtet: „Die Heuchelei der Cloud Kritiker„.

Das Mobile Computing und Cloud Computing ernähren sich Gegenseitig und werden durch die Consumerization of IT zudem vorangetrieben.

Vorsicht vor Social Networks? Ja.

Werden die Daten auf der Infrastruktur eines echten Cloud Anbieters wie Amazon Web Services, Rackspace, internet4YOU usw. gespeichert, dann gehören die Daten weiterhin einem selbst.

Facebook und andere Social Networks klammer ich hier mal aus, da deren Geschäftsmodell darauf basiert Nutzerdaten zu monetarisieren. Wird für den Service nichts bezahlt, dann ist man das Produkt. So ist es nun einmal. Ich verstehe Woz Aussagen auch eher so, dass sich diese auf Services wie Social Networks beziehen und nicht auf professionelle Angebote für Unternehmen.

Wichtig ist natürlich, das man immer die Nutzungsbedinungen lesen sollte(…), bevor kritische Daten z.B. auf einem Cloud Storage abgelegt werden. Aber was ist kritisch? Das muss jeder für sich selbst bewerten.


Bildquelle: http://www.heraldsun.com.au

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Category: Kommentar

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.

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