Gefährlich: VMware unterschätzt OpenStack

August 16, 2013 |

Langsam sollte man sich ernsthaft Sorgen machen, wer den Verantwortlichen von VMware diktiert, was sie zu sagen haben. Anfang März diesen Jahres sagt COO Carl Eschenbach, dass es für ihn schwer vorstellbar ist, dass VMware mit seinen Partnern nicht gegen ein Unternehmen das Bücher verkauft (Anmerkung: Amazon) bestehen kann. Naja, die Realität sieht derzeit anders aus. Dann kommt Ende März ein VMware Mitarbeiter aus Deutschland zum dem Schluss, dass VMware der Technologie-Enabler der Cloud sei und er derzeit keinen anderen sehe. Das dies bei weitem gefehlt ist, wissen wir auch. Nun setzt CEO Pat Gelsinger noch einen obendrauf und behauptet, dass OpenStack nicht für Unternehmen gedacht sei. Zeit für eine Aufklärung.

Augen zu und durch!

In einem Interview mit Network World äußerte sich VMware CEO Pat Gelsinger zu OpenStack und erwartet nicht, dass das Open-Source Projekt eine erhebliche Reichweite im Unternehmensumfeld haben wird. Stattdessen halte er es für ein Framework das Services Provider nutzen können, um Public Clouds aufzubauen. Im Gegenteil dazu habe VMware eine sehr große Verbreitung mit extrem großen VMware Umgebung. Die Kosten für einen Wechsel und weitere Themen seien daher nicht besonders effektiv. Allerdings sieht Gelsinger bei Cloud- und Service-Anbietern, also in Bereichen in denen VMware in der Vergangenheit nicht erfolgreich Geschäfte gemacht hat, viel Potential für OpenStack.

Weiterhin betrachtet Gelsinger OpenStack für VMware aber als eine strategisch wichtige Initiative, welche VMware gerne unterstützt. VMware wird sicherstellen, dass seine Produkte und Services innerhalb von Cloud-Umgebungen auf Basis der Open-Source Lösung funktionieren. In diesem Zusammenhang eröffnet OpenStack für VMware ebenfalls neue Möglichkeiten, um in den Markt für Service Provider einzusteigen, ein Bereich, den VMware in der Vergangenheit vernachlässigt hat. VMware und Gelsinger sehen OpenStack daher als eine Möglichkeit, um sich breiter aufzustellen.

Hochmut kommt vor dem Fall

Pat Gelsinger hat Recht wenn er sagt, dass OpenStack für Service Provider gedacht ist. Auch gehört VMware weiterhin zu den führenden Virtualisierungsanbietern im Unternehmensumfeld. Jedoch ist diese Art von Schubladendenken gefährlich für VMware. Denn das Blatt kann sich sehr schnell wenden. Gelsinger mag zwar die hohen Wechselkosten als Grund sehen, warum Unternehmen weiterhin auf VMware setzen sollten. Allerdings sollte man eins nicht vergessen. VMware ist nur(!) beim Thema Virtualisierung stark – beim Hypervisor. In Bezug auf das Thema Cloud Computing, wo OpenStack seinen Schwerpunkt hat, sieht es nicht so rosig aus, wie es aussehen könnte. Man muss ehrlich sagen, dass VMware hier den Trend verschlafen hat, frühzeitig Lösungen zu bringen, die es ermöglichen, die virtualisierte Infrastruktur auch Cloud-fähig zu machen. Und über höherwertige Services und Self-Service es der IT-Abteilung zu erlauben zu einem Service-Broker zu werden. Mittlerweile stehen Lösungen bereit, allerdings wächst der Mitbewerb, nicht nur aus dem Open-Source Umfeld, stetig weiter.

Das sehen auch IT-Einkäufer und Entscheider. Ich habe schon mit mehr als einem IT-Manager gesprochen der plant, seine VMware Infrastruktur gegen etwas Offenes, in den meisten Fällen wurde KVM genannt, und Kostengünstigeres auszutauschen. Das ist erst einmal nur die Virtualisierungsebene die wegbrechen kann. Weiterhin gibt es mittlerweile einige Anwendungsfälle auch großer Unternehmen (siehe On-Premise Private Cloud), die OpenStack für den Aufbau einer eigenen Cloud-Infrastruktur nutzen. Was ebenfalls nicht vergessen werden darf ist, dass immer mehr Unternehmen in Richtung Hosted Private Cloud oder Public Cloud Anbieter wechseln und das eigene Rechenzentrum im Laufe der Zeit an Bedeutung verlieren wird. In diesem Zusammenhang spielt auch die Hybrid Cloud eine immer größere Rolle, um den Transfer und Migration von Daten und Systemen bequemer zu gestalten. Bereits hier hat sich OpenStack auf Grund seiner Verbreitung im Hosted Private Cloud und Public Cloud Umfeld einen großen Vorteil gegenüber VMware verschafft.

Mit solchen Aussagen versucht VMware natürlich OpenStack aus dem eigenen Hoheitsgebiet – on-Premise Unternehmenskunden – wegzureden, um dort seine eigenen Lösungen zu platzieren. Dennoch sollte VMware nicht den Fehler machen und OpenStack unterschätzen.

Tags: , , ,

Category: Kommentar

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.

Comments are closed.