Die IT-Abteilung stirbt nicht aus – Aber sie wird sich verändern müssen

Juli 19, 2013 |

Vor kurzem machte ein Artikel in der englischen Computerworld die Runde, in der die These aufgestellt wurde, dass die IT-Abteilungen bis zum Ende dieser Dekade verschwinden könnten. Ingo Notthoff von T-Systems stellte daraufhin auf Facebook die Frage zur Debatte, ob „Die IT-Abteilungen aussterben werden.“. Ich hatte dazu eindeutig geantwortet, dass sie nicht aussterben, sondern sich zum Service Broker wandeln. Diese Diskussion hat Ingo wiederum in einem Blogbeitrag niedergeschrieben. Ich möchte an dieser Stelle das Thema noch einmal aufgreifen und meinen Standpunkt ausführlich darlegen.

Trotz Consumerization of IT fehlen die wichtigen Kenntnisse

Auch wenn ich alles sehr begrüße, was in jeder Form verspricht disruptiv zu sein. Es gibt Dinge, die werden auch in Zeiten des massiven Einsatzes von Technologien und Self-Services benötigt. Ich rede vom Menschen.

Ich weiß und es ist richtig, dass Cloud-Services per Self-Service quasi von jedem im Unternehmen genutzt werden können, um die Ziele nach den persönlichen Anforderungen zu erreichen ohne jedes Mal auf die IT-Abteilung warten zu müssen. Aber ist das auch vernünftig? Kann jeder, nur weil er ein iPhone oder eine SaaS-Applikation bedienen kann, ebenfalls darüber entscheiden, welche Services wertvoll und wichtig für das Unternehmen sind. Im Zweifelsfall wird das Wissen dann zu 100% von externen Beratern eingeholt, was nicht zwangsläufig immer von Vorteil ist. Kosten für Personal sparen ist schön und gut, aber irgendwann hört es auf. Denn wo hierfür Kosten eingespart werden, müssen andere dafür mehr arbeiten. Die Line of Business Manager werden sich bedanken.

Außerdem muss man einfach mal in die Unternehmen reinhören. Selbstverständlich möchten die meisten, dass die IT schneller funktioniert, aber möchten sie neben ihren Hauptaufgaben auch noch dafür die Verantwortung übernehmen? Nein. Das funktioniert sicherlich für ein paar Bereiche im Unternehmen, aber den meisten Mitarbeitern werden die Kenntnisse, Lust und Zeit dafür fehlen.

IT-Abteilungen müssen sich neu erfinden

Nachdem ich meine Lanze für die IT-Abteilungen gebrochen habe, muss auch hier Kritik geäußert werden. Hat sich nicht jeder schon über die langsame, der Zeit hinterherhängende IT-Abteilung geärgert? Wie kann es sein, dass man auf die Hardware für ein Testsystem(!) bis zu 3 Monate warten muss und am Ende stellt sich heraus, dass es doch nur eine virtuelle Maschine ist. Solche Erfahrungen füttern natürlich diejenigen, welche die IT-Abteilungen am liebsten von heute auf morgen abschaffen möchten. In diesem Fall sogar zurecht.

Trotzdem ist jede gute IT-Abteilung sehr wertvoll für jedes Unternehmen. Die Extrembeispiele bestätigen glücklicherweise nicht die Regel. Allerdings darf keine IT-Abteilung so weitermachen, sondern sich über einen strukturellen Wandel Gedanken machen und diesen letztendlich auch umsetzen. Durch die Cloud hat sie ihre zentrale Position für den Einkauf und Betrieb von IT-Lösungen verloren. Schatten-IT ist hier das bislang bewährte Mittel der Mitarbeiter, um sich an der IT-Abteilung vorbei, schnell und nach Bedarf IT-Services zu besorgen.

Diesen Umstand gilt es zu beseitigen. Schatten-IT ist nicht unbedingt etwas sehr schlechtes. Zumindest hilft sie dabei, dass Mitarbeiter ihre Aufgaben schnell und auf ihre Art zu arbeiten erledigen. Für jeden Entscheider und IT-Verantwortlichen ist sie allerdings vergleichbar mit einem Gang über glühende Kohlen. Es gibt in einem Unternehmen nichts Schlimmeres, wenn die linke Hand nicht weiß was die rechte macht oder wenn IT-Lösungen zu einem unkontrollierten Wildwuchs ausufern. Das lässt sich nur durch eine zentrale Organisation handhaben. Bei der sich die IT-Abteilungen nicht wieder in ihren Elfenbeinturm zurückbegeben sollen, sondern pro-aktiv mit den Mitarbeiten der Fachabteilungen kommunizieren, um deren Bedürfnisse und Anforderungen zu verstehen. Die IT-Abteilung ist der interne IT-Dienstleister der Mitarbeiter und Fachabteilungen und so gehört sie auch ins Unternehmen eingeordnet. Broker-Plattformen sind in Zeiten von internen und externen (Cloud)-Services die Werkzeuge mit denen sie die Koordination für die Mitarbeiter regeln.

Koordination ist enorm wichtig

Wo wir abschließend noch einmal zu dem Thema IT-Verantwortung innerhalb des Unternehmens kommen. Je nachdem welcher Studie man Glauben schenken soll, ist die Private Cloud derzeit die bevorzugte Cloud-Form im Unternehmen. Immerhin sagen das 69 Prozent der Befragten. Darüber hinaus treffen in 80 Prozent aller Fälle die IT-Abteilungen die Entscheidungen über den Einkauf von IT-Lösungen. Das hört sich im ersten Moment nach dem Erhalt des Status Quo an. Wird auf Grund der aktuellen politischen Entwicklungen aber wohl vorerst die Realität bleiben. Nichts desto trotz ermöglichen auch echte Private Cloud Lösungen den Unternehmen eine flexible Zuweisung von Ressourcen über einen Self-Service an ihre Mitarbeiter.

Doch wer soll diese Private Cloud Infrastrukturen aufbauen und wer soll sie koordinieren? Es können nur die IT-Abteilungen machen. Allen anderen Mitarbeitern fehlen dazu die notwendigen Kenntnisse und die Zeit. IT-Abteilungen müssen von den Anbietern in der Public Cloud lernen und den Fachabteilungen auf einem ähnlichen Weg einen schnellen und vor allem unkomplizierten Zugriff auf IT-Ressourcen ermöglichen. Das funktioniert nur, wenn sie sich als Service-Broker für interne und externe IT-Services aufstellen und sich als partnerschaftlicher Dienstleister verstehen.

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Category: Kommentar

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.