Cloud Rockstar 2013: Netflix ist der unangefochtene König des Cloud Computing

Juli 8, 2013 |

Ich denke es ist an der Zeit ein Unternehmen für seine Arbeit in der Cloud zu adeln. Anders als man nun vielleicht vermutet, handelt es sich nicht um einen der Anbieter. Nein! Auch wenn es die Anbieter sind, die erst die Möglichkeiten schaffen, sind es die Kunden, die letztendlich etwas daraus machen und der Öffentlichkeit die Macht der Cloud zeigen. Dabei muss man selbstverständlich die gewöhnlichen Kunden von denjenigen unterschieden, die sehr viel Engagement zeigen und sich von der Denkweise und damit auch architektonisch der Cloud angepasst haben. Um es vorweg zu nehmen, bei dem König der Cloud handelt es sich um Netflix und hier insbesondere um Adrian Cockroft, den Vater der Netflix Cloud-Architektur.

Geboren für die Cloud

Bevor sich Netflix für den Einsatz seines Systems in der Cloud entschieden hat (Migration von einer eigenen Infrastruktur), verbrachte das Unternehmen viel Zeit damit, um die Cloud zu verstehen und ein Test-System innerhalb der Cloud-Infrastruktur aufzubauen. Dabei wurde insbesondere darauf geachtet, soviel realistischen Traffic bzw. Traffic Szenarien wie möglich zu erzeugen, um damit das Test-System auf seine Stabilität hin zu prüfen.

Anfangs entwickelte Netflix dazu einen einfachen Repeater, der die echten und vollständigen Kundenanfragen auf das System innerhalb der Cloud Infrastruktur kopierte. Damit identifizierte Netflix die möglichen Engpässe seiner Systemarchitektur und optimierte im Zuge dessen die Skalierbarkeit.

Netflix selbst bezeichnet seine Software Architektur gerne auch als Rambo Architektur. Das hat den Hintergrund, dass jedes System unabhängig von den anderen Systemen einwandfrei funktionieren muss. Dazu wurde jedes System innerhalb der verteilten Architektur so entwickelt, dass es darauf vorbereitet ist, dass andere Systeme zu denen eine Abhängigkeit besteht, ausfallen können und das dieses toleriert wird.

Sollte das Bewertungssystem ausfallen, verschlechtert sich zwar die Qualität der Antworten, aber es wird dennoch eine Antwort geben. Statt personalisierten Angeboten werden dann nur bekannte Titel angezeigt. Sollte das System, dass für die Suchfunktion zuständig ist, unerträglich langsam sein, muss das Streaming der Filme trotzdem einwandfrei funktionieren.

Chaos Monkey: Der heimliche Star

Eines der ersten Systeme das Netflix auf bzw. für die Cloud entwickelt hat, nennt sich „Chaos Monkey“. Sein Job ist es, zufällig Instanzen und Services innerhalb der Architektur zu zerstören. Damit stellt Netflix sicher, dass alle Komponenten unabhängig voneinander funktionieren, selbst dann wenn Teil-Komponenten ein Problem haben.

Neben dem Chaos Monkey hat Netflix viele weitere Monitoring und Test-Tools für den Betrieb seines Systems in der Cloud entwickelt, die das Unternehmen als „The Netflix Simian Army“ bezeichnet.

Netflix Simian Army: Das Vorbild

Die Simian Army von Netflix ist ein Extrembeispiel, wie eine Cloud Architektur auszusehen hat. Das Unternehmen hat viel Zeit, Anstrengungen und Kapital in die Entwicklung seiner Systemarchitektur investiert, die auf der Cloud Infrastruktur der Amazon Web Services läuft. Aber es lohnt sich und jedes Unternehmen, das die Cloud ernsthaft nutzen möchte und ein hochverfügbares Angebot präsentieren will, sollte sich Netflix unbedingt zum Vorbild nehmen.

Der Aufwand zeigt die Komplexität der Cloud

Unterm Strich ist zu sagen, dass Netflix für den Fehlerfall vorausschauend plant und sich nicht auf die Cloud verlässt. Denn irgendwas läuft auch mal in der Cloud schief, wie in jedem gewöhnlichen Rechenzentrum. Mann muss nur darauf vorbereitet sein.

Netflix zeigt sehr eindrucksvoll das es funktioniert. Wenn man jedoch bedenkt, was für einen Aufwand Netflix betreibt, um in der Cloud erfolgreich zu sein, muss man einfach sagen, dass Cloud Computing nicht einfach ist und eine Cloud Infrastruktur, egal bei welchem Anbieter, mit der entsprechenden Architektur aufgebaut werden muss. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Nutzung der Cloud simpler werden muss, um auch die versprochenen Kostenvorteile zu erzielen. Denn wenn man Cloud Computing richtig nutzt, ist es zwangsläufig nicht günstiger. Neben den Einsparungen der Infrastrukturkosten die immer vorgerechnet werden, dürfen niemals die weiteren Kosten z.B. für das Personal mit den notwendigen Kenntnissen und die Kosten für die Entwicklung der skalierbaren und ausfallsicheren Applikation in der Cloud vernachlässigt werden.

Erfolgreich und sozial zugleich

Die meisten Unternehmen behalten ihren Erfolg für sich. Der Wettbewerbsvorteil wird ungerne aus der Hand gegeben. So nicht Netflix. In regelmäßigen Abstand werden Teile aus der Simian Army unter der Open-Source Lizenz veröffentlicht, mit denen jeder Cloud Nutzer die Möglichkeit erhält eine Cloud-Applikationen mit der Architektur DNA von Netflix zu entwickeln.

Cloud Rockstar 2013

Auf Grund seines Erfolgs und insbesondere seines Engagement in und für die Cloud, ist es an der Zeit, Netflix öffentlich zu adeln. Netflix hat es verstanden, die Cloud quasi in Perfektion zu nutzen und den Erfolg nicht für sich zu behalten. Stattdessen gibt das Unternehmen anderen Cloud-Nutzern die Möglichkeit, mit denselben Tools und Services eine ähnlich hochskalierbare und hochverfügbare Cloud-Applikationen aufzubauen.

Netflix wird damit von den Analysten von New Age Disruption und CloudUser.de zum „Cloud Rockstar 2013“ in der Kategorie „Bester Cloud Nutzer“ ernannt. Dieser unabhängige Award von New Age Disruption wird in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben und zeichnet Anbieter als auch Anwender für ihre Innovationen und das außergewöhnliche Engagement im Cloud Computing aus.

Herzlichen Glückwunsch Netflix und Adrian Cockroft!

René Büst

Cloud Rockstar 2013 - Netflix

Weitere Informationen: Cloud Rockstar Award

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Category: Kommentar

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.

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