CIO: Quo vadis? Kostenstelle oder Business Enabler? #tsy13

November 6, 2013 |

Ich hatte am Montag die zukünftige Rolle der IT und des CIO diskutiert. Denn derzeit befinden wir uns im größten Wandel (Disruptive IT), den die IT-Branche seit ihrem Bestehen erlebt hat. Dieser Wandel schlägt direkt auf den CIO und somit auch auf die IT-Abteilungen durch. Dr. No und Kostenstelle waren gestern. Der CIO als Business Enabler ist gefragt, der zusammen mit seinen IT-Mitarbeitern als strategischer Partner des CEO und der Fachabteilungen neue Geschäftsmodelle etabliert und sich damit als Treiber des Business etabliert.

Disruptive IT: Cloud, Big Data und Co. stellen alles auf den Kopf

Cloud Computing, Big Data, Mobility und Collaboration sind die vier disruptiven Technologien, die zur Zeit für ein großes Beben sorgen und CIOs vor große Herausforderungen stellen. Die Erwartungen und Anforderungen der Geschäftsführung und der Fachabteilungen wachsen stetig, Mitarbeiter machen sich selbständig und besorgen sich IT-Leistungen an der IT-Abteilung vorbei (Schatten-IT), da diese nicht in der ausreichend Zeit oder Qualität liefern kann. Man sollte nicht behaupten der Job eines CIOs war einfach, aber derzeit handelt es sich um den Weg durch die Hölle, auf den jeder gerne verzichtet.

Aber das ist die Situation. Und wer weiterhin am Status quo festhält, der wird früher oder später auf der Strecke bleiben. Denn die Business Seite kann es sich nicht leisten auf der Stelle zu treten. Und sie wird ihre Mittel und Wege finden das zu bekommen was sie benötigt. Wenn sie sich nicht bereits schon auf dem Weg befindet.

Panel: The Future Role of CIOs: Managing Costs or Enabling Business?

Im Rahmen des T-Systems Symposium wurde mit Stefanie Kemp (IT Governance, RWE), Prof. Dr. Michael Müller-Wünsch (CIO, Lekkerland Gruppe), Dr. Hans-Joachim Popp (CIO, Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum), Philipp Erler (CIO, Zalando) und Thomas Spreitzer (Chief Marketing Officer, T-Systems) die Zukunft des CIO diskutiert. Ist er ein Kostenverwalter oder doch der Innovationstreiber?

Zwar war es grundsätzlich eine spannende Panel Diskussion. Allerdings war sie, wie erwartend, sehr einseitig, da nur CIOs im Panel vertreten waren und der Counterpart des CEO an allen Ecken und Enden gefehlt hat. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum keine bis wenig Selbstkritik von den CIOs geäußert wurde.

Dennoch war zu merken, dass die CIOs sich dessen bewusst sind, was auf sie zu kommt. Hans-Joachim Popp vom DLR machte deutlich, dass bestehende Geschäftsmodelle von neuen Technologien beeinflusst werden und es für den CIO dadurch in Zukunft immer anstrengender wird. Gleichzeitig kritisierte er, dass nicht jeder, der ein neues Geschäftsmodell aufbauen kann, auch in der Lage ist, die kritischen Prozesse dahinter zu verstehen. Dem schloss sich Zalando CIO Philipp Erler deutlich an und machte klar, dass die Bedienung einer Excel Tabelle nicht unbedingt die Skills abdeckt, um einen Prozess zu steuern. Das ist ein Fakt, den ich nur bestätigen kann. Nur weil ein Mitarbeiter ein iPhone oder eine SaaS-Applikation bedienen kann, ist er nicht in der Lage über wichtige IT-Services für das Unternehmen zu entscheiden. Weiterhin erläuterte Erler das Konzept der Priorisierungsrunde bei Zalando. So sollte sich eine Fachabteilung doch bitte die Frage stellen, ob es sich tatsächlich lohnt, einen eigenen Weg an der IT vorbei zu gehen, wenn die Anfrage nicht verabschiedet wurde. Das ist ein mögliches Mittel gegen die Schatten-IT. Die Frage bleibt allerdings, ob dies den Mitarbeitern in den Fachabteilungen interessiert. Schließlich wurde laut Gartner im Jahr 2012 ca. 25 Prozent des IT-Budget außerhalb der IT-Abteilungen verwaltet.

Lekkerland CIO Michael Müller-Wünsch sieht es als einen entscheidenden Faktor, dass CIOs auch den zeitlichen Spielraum bekommen, um als Business Enabler zu agieren. Die eigene Existenzberechtigung zu zeigen und nachzuweisen sei wichtig, aber auch schwer. Allerdings arbeite die Business Seite und die IT bei Lekkerland aktiv zusammen. T-Systems CMO Thomas Spreitzer gab zu, dass das Marketing gerne über die Herausforderungen des CIO hinwegschaut. Hauptsache es geht schnell. Allerdings bemängelte er auch das Erbsenzählen. IT-Abteilungen sollten sich mehr auf das Rapid Prototyping konzentrieren anstatt auf das Lastenheft.

RWE IT-Governance Verantwortliche Stefanie Kemp stellte die Frage, ob die IT tatsächlich jedem Trend hinterherlaufen muss oder sich nicht lieber auf einzelne Bereiche konzentrieren sollte, die dem Unternehmen tatsächlich helfen. Hierzu sieht sie den Bedarf einer Commodity IT sowie einer Differentiating IT innerhalb der Unternehmen. Also den Anteil der IT, welcher die Dinge am Laufen hält und der Teil, der für Innovationen sorgt. Kemp stellte auch klar heraus, dass Fachabteilungen bei ihr gerne eigene Wege gehen können. Sie sollten aber am Ende auch für den Scherbenhaufen gerade stehen, wenn die Integration in bestehende Systeme usw. nicht funktioniert. Weiterhin sieht Kemp noch viele Hausaufgaben innerhalb des Business, damit die IT überhaupt zum Business Enabler werden kann.

CIO vs. Business: Kommunikation ist der Königsweg

Wenn man sich die Probleme die während des Panels von den CIOs angesprochen wurden zusammenfasst, kann man sich durchaus die Frage stellen, wie Unternehmen heutzutage überhaupt funktionieren. Unterm Strich war zu verstehen, dass beide Seiten scheinbar geschützt in ihren Elfenbeintürmen sitzen und nicht wirklich miteinander reden. Die Realität sieht natürlich anders aus. Aber für beide Seiten wäre das Leben leichter, wenn sie transparent und auf Augenhöhe miteinander Informationen austauschen. Hierzu wird in Zukunft auch das Rollenbild immer wichtiger werden, um die Verantwortlichkeiten klar festzulegen.

Fazit: Die Aufgabe des CIOs wird in Zukunft nicht einfacher werden. Ganz im Gegenteil. Aber wenn er und die Business Seite als Partner arbeiten und aktiv miteinander kommunizieren und sich darauf einigen den selben Weg zu gehen, wird es für beide Seiten einfacher.

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Category: Kommentar

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.

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