IBM Connect – Ein Blick in die nahe Zukunft der digitalen Zusammenarbeit

Februar 9, 2016 |

Schafft IBM den Turn Around mit der neuen Strategie und den neuen Produkten? Was hat die IBM ihren langen und sehr treuen Notes Kunden in Zukunft zu bieten?

Wie schafft man es, ein so großes Unternehmen wie die IBM aus einem seit langem sehr unruhigen Fahrwasser heraus zu manövrieren und einen neuen Kurs einzuschlagen um attraktivere Produkte auf den Markt zu bringen sowie glücklichere Kunden zu bekommen. Ein typischer Weg vieler Unternehmen ist es, alles zu reorganisieren. Dieser Weg wird von IBM vielmals gegangen und wie bei allen großen Unternehmen, oftmals nicht besonders erfolgreich. Aktionismus und der Druck des Marktes verhindern eine, für alle Beteiligten, gesunde Veränderung. Eine weitere Vorgehensweise der IBM (und auch anderer Unternehmen) ist, sich massiv von Personal zu trennen. Leider geht hier oft wertvolles Know-How verloren. Für Kunden bedeutet das ein großer Vertrauensverlust, da vertraute Ansprechpartner wegfallen und Projekte ins Stocken geraten.

Neben diesen eher destruktiven Veränderungen hat die IBM einen neuen Weg eingeschlagen, den auch andere große Konzerne vor Jahren genutzt haben: IBM hat die Art und Weise wie man Probleme angeht und wie man als gesamtes Unternehmen Innovativer wird verändert. „Design Thinking“ ist die erfolgsversprechende und etablierte Methode, um bessere Prozesse für die Entwicklung neuer Ideen und Produkte zu entwickeln. Diese neue Denkweise versucht man bei der IBM seit geraumer Zeit ganz tief in die DNA des Unternehmens zu verankern.

Nachdem viele am Anfang der „Design Thinking“ Initiative der IBM geglaubt haben, dass es sich nur um einen Marketing-Gag handelt, zeigen sich nun die ersten greifbaren und verwertbaren Ergebnisse. Den neuen Produktankündigungen der IBM auf ihrer diesjährigen Konferenz Anfang Februar in Orlando sieht man von allen Seiten an, dass die IBM sich gewandelt hat.

Die Stimmung bei den Teilnehmern ist sehr positiv

Anders als befürchtet, nach dem unruhigen letzten Jahr, sind die anwesenden Kunden und Business Partner sehr positiv gestimmt. Obwohl die Umstände eigentlich eine andere Sprache sprechen: IBM hat seit vielen Quartalen nur Umsatzrückgänge zu vermelden. Viele Kunden haben der IBM den Rücken gekehrt und sind zu Mitbewerbern gewechselt. Die Produktankündigungen der letzten Jahre wurden nicht oder nicht in der versprochenen Qualität und in einem vertretbaren Zeitrahmen geliefert. Und das Vertrauen in die IBM, noch die richtigen Antworten auf die Veränderungen des Marktes und den Bedürfnissen der Kunden zu liefern, schwand immer mehr. Diese Aussagen treffen sowohl auf die IBM als ganze Organisation sowie auch auf den innerhalb der IBM sehr kleinen Bereich der Collaboration zu.

Das hat auch Auswirkungen auf die Konferenz, die massiv geschrumpft ist. Der alte Standort wurde aufgegeben und man zog in ein neues Konferenzhotel um, da die Teilnehmerzahlen deutlich zurückgingen. Es ist abzusehen, dass die letzte eigenständige IBM Konferenz in Orlando aufgelöst und in die große IBM Konferenz in Las Vegas eingegliedert wird.

Reduce to the max! Trotz alledem war die Stimmung auf der Konferenz sehr optimistisch. Es wurden viele interessante Beiträge gezeigt. Neue Lösungen von Business Partner, die das Portfolio der IBM unterstützen, wurden präsentiert. Zahlreiche Kundenvorträge, z.B. vom großen Neukunden Lufthansa oder von den im Social Business bereits sehr erfahrenden Kollegen der Firma Bosch, zeigten den Teilnehmern, dass es sich lohnt auf IBM Produkte zu setzen. Auf den Fluren im Ausstellerbereich und in den Workshops wurde über viele neue Ideen gesprochen.

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IBM investiert in Connections

Endlich wird Connections das, was es eigentlich sein sollte: Die zentrale Kommunikationsplattform innerhalb eines Unternehmens. Integriert mit Verse für die E-Mail-Kommunikation und dem neuen und sehr attraktiven Layout, erhalten Anwender einen Ort für ihren Informations- und Wissensaustausch.

IBM hat erkannt, dass es zu viele Kommunikationsformen gibt und viele Menschen mittlerweile unter den vielen Plattformen und der Frequenz der aufpoppenden Nachrichten leiden. Lange Zeit wurde vom IBM Marketing propagiert, dass man keine E-Mails mehr benötigt, sondern primär IBM Connections im Unternehmen. Im letzten Jahr dann der Marketing-Schwenk zu IBM Verse und der Neuerfindung der E-Mail. In diesem Jahr hat IBM nun endlich angefangen diese verschiedenen Formen der Kommunikation zu vereinen.

Kein CIO wird nur wegen der E-Mail Funktionalität zurück zu Domino kehren. Daher ist der richtige Weg der IBM, eine integrierte Kommunikationsplattform anzubieten.

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IBM nutzt neben optimierten Bedienelementen und neuen Anwendungskonzepten intensiv analytische Verfahren, um den Anwendern immer die Informationen bereitzustellen, die diese für ihre Arbeit benötigen.

Gemeinsam mit den Angeboten der Business Partnern ist es möglich, Informationen aus anderen Anwendungen und Quellen mit einzubinden. Die Marketing-Abteilung kann in einer Community alle relevanten internen und externen Quellen zusammenführen. Das Vertriebsteam nutzt die Kommunikationsfähigkeiten innerhalb der Plattform und zeigt die aktuellen Vertriebszahlen aus Salesforce an. Das Intranet-Redaktionsteam erarbeitet die Inhalte gemeinsam in einer Community. Diese werden dann im Social Intranet bereitgestellt – „One single point of truth!“. Es gibt nur noch einen Ort, an dem Informationen bearbeitet, verteilt und auch diskutiert werden.

Für viele Unternehmen sind die im Internet vielfach angebotenen virtuellen Speicherplätze für Dateien ein Dorn im Auge. Trotzdem besteht immer wieder die Notwendigkeit gemeinsam mit einem Kunden oder Zulieferer einen entsprechenden Dienst zu nutzen. Über eine adäquate Erweiterung kann nun innerhalb einer Community ein bestimmter Ordner einer dieser Dienste eingebunden werden. So kann der Austausch sicher und kontrolliert erfolgen.

Das Angebot wird abgerundet durch die Weiterentwicklung von IBM Docs. Das Produkt ist in vielen Details verbessert worden. So können mit der kommenden Version in einem Word Dokument Anmerkungen erfasst werden, die auch beim Im- und Export nach Microsoft Word erhalten bleiben. Die mobile Version ist noch besser in Connections integriert. Ein Dokument innerhalb einer Community bleibt auch dann nur innerhalb der Community verfügbar, wenn dieses auf dem mobilen Device bearbeitet und zurückgespeichert wird. Es erfolgt keine Speicherung außerhalb des vorgegebenen Ortes.

So wird aus einer Social Collaboration Platform der integrierte Arbeitsplatz der Zukunft.

IBM Verse, Notes und Domino

Wie in jedem Jahr erhoffen sich die Notes-Client Anhänger viel Neues für ihren geliebten Client. Aber wie nun bereits seit einigen Jahren werden sie wieder und wieder enttäuscht. IBM wird den Notes Client weiterhin pflegen und immer wieder anpassen – aber nicht mehr.

Der Notes-Client ist wie eine gute alte Werkbank. Seit vielen Jahren leistet sie treu ihre Dienste, sieht nicht mehr besonders schick aus und schleppt viel Ballast durch einige Fehlentscheidungen in der Vergangenheit mit sich herum. Aber nach wie vor kann sie alle Anforderungen erfüllen und hat eine große Fangemeinde, die auf das Produkt schwört. Ab und zu wird daran noch etwas repariert.

Offline mit Prozess- und Workflow-Anwendungen zu arbeiten ist nach wie vor in vielen Unternehmen und bei vielen Anwendern ein sehr wichtiges Thema. Beispiel gefällig: Aufgrund der in den letzten Jahren bekannt gewordenen staatlichen Überwachungen werden immer mehr Fabriken vom Internet getrennt. Dort gibt es kein W-LAN oder diverse Möglichkeiten online zu gehen– hier hilft nur Papier oder die Replikationsfähigkeiten der Notes-Datenbanken.

Der Domino Server wird jedoch aufgewertet. IBM Verse kommt am Ende des Jahres in einer, im Unternehmen zu installierenden Variante, auf den Markt. Die technologische Basis dazu wird der Domino-Server sein. Die kommenden Updates bereiten den Domino-Server auf diese Aufgabe vor.

Weitere Verbesserungen sind, dass der Datenbank Index endlich aus der NSF-Datei entfernt und extra gespeichert wird. In den Bereichen Sicherheit und Verschlüsselung ist einiges zu erwarten. Außerdem wird es nun endlich für die letzten drei Versionen von Microsoft Outlook einen Domino Konnektor geben.

Notes ist nicht Tod! Aber die Zukunft liegt bei der IBM im Browser und in den mobilen Anwendungen. Unternehmen, die auf dem Domino-Server neuen Anwendungen entwickeln, müssen sich intensiv mit XPages auseinandersetzen und wer keine Scheu hat, Applikationen in der Cloud zu entwickeln, mit Bluemix.

Watson wird greifbarer

Viel hat IBM immer wieder über Watson berichtet, aber so richtig greifbar waren die gepriesenen Fähigkeiten für viele Anwender nicht. Wo liegt der Mehrwert? Wie kann man diesen Service selber nutzen? Was heißt es überhaupt ein Computer Text lesen, übersetzen, verstehen und analysieren zu können.

In den Bluemix Vorträgen wurden interessante Anwendungen gezeigt, die sich die Fähigkeiten zu nutze machen. Unter anderem wurde auf Basis von node.js und einem grafischen Editor ein Web-Service live entwickelt, der auf einem Domino-Server lokal oder in der Cloud die Daten speichert. Die Quelle war in diesem Fall ein Twitter-Stream. Die Tweets wurden in Echtzeit mit Hilfe eines von IBM Watson bereitgestellten Übersetzungsservices im Hintergrund ins Spanische übersetzt und in einer XPages Anwendung angezeigt.

Ein anderes Unternehmen stellt einen Dienst für Bewerberinterviews zu Verfügung. Bewerber beantworten auf einer vorbereiteten Website Fragen, die per Video aufgezeichnet werden. Diese Videos werden von Watson transkribiert und nach bestimmten Vorgaben ausgewertet. Niemand wird daraufhin einen Mitarbeiter einstellen, aber die Personalabteilung erhält bereits zu einem frühen Zeitpunkt einige zusätzliche Informationen über den Bewerber.

Ab in die Toscana

Hofften viele Teilnehmer, dass IBM seine Ressourcen benutzt, um die bestehenden Produkte zu verbessern, wurde überraschend ein neues Produkt unter dem Projektnamen „Toscana“ angekündigt. Umso kritischer wurde die neue Idee aufgenommen.

„Toscana“ ist eine Mischung aus einem Live Chat und einer Community. Wer bereits mit Slack und WhatsApp gearbeitet hat, wird vieles wiedererkennen. Anwender können gemeinsam in einem permanent bestehenden Austausch live an Dokumenten arbeiten. Hat ein Kollege einen Text geschrieben, kann man jederzeit am Arbeitsplatz oder mobil mit einsteigen und eigene Inhalte hinzufügen. Am Ende der Arbeit wird das Ergebnis in ein Dokument oder in ein Wiki überführt.

Das angekündigte Projekt „Toscana“, das dieses Jahr noch erscheinen soll, befindet sich gerade in dem Entwicklungsstadium und die erste interne Beta erscheint in den kommenden Tagen. Auch wenn IBM selber noch nicht weiß, wohin die Reise mit dem Produkt gehen wird, ist der Ansatz sehr interessant. Die Zielgruppen sind agil arbeitende Teams und kleinere Unternehmen.

„Toscana“ ist eine Idee aus den Design Thinking Prozessen der IBM. Dies bedeutet, gemeinsam mit Kunden Konzepte konzipieren, die nach und nach zu Produkten entwickelt werden. Innovation im Sinne von Design Thinking bedeutet, dass man viele Ideen entwickelt, diese immer wieder gemeinsam mit möglichen Kunden testet, anpasst, vielleicht auch wieder über Bord wirft oder zu einem Produkt entwickelt. Auch wenn dieser Ansatz sich für Außenstehenden chaotisch und ineffektiv anhört, ist er der Weg für die Zukunft. In der Vergangenheit wurden häufig zu lange Planungen durchgeführt und anschließend noch länger entwickelt, um dann festzustellen, dass das neue Produkt an den Bedürfnissen des Marktes vorbeientwickelt wurde. IBM geht mit„Toscana“ bei der Produktenwicklung endlich einen anderen Weg.

Das Fazit am Ende der Konferenz

IBM hat in vielen seiner Segmente in den vergangenen Jahren an Vertrauen und viele Kunden verloren. Trotzdem setzen nach wie vor große Unternehmen und auch viele KMUs auf die IBM Collaboration Lösungen. Business Partner berichten von vielen interessanten Gesprächen in den letzten Wochen mit Kunden, die vorher noch nie im IBM Universum zu sehen waren.

Wird der kleine Collaboration Bereich innerhalb IBM die Kurve kriegen? Werden endlich die gezeigten Folien aus der Marketingabteilung fertig entwickelt und auf die Straße gebracht?

Den Beweis hierfür kann nur die IBM erbringen. Hatte man in der Vergangenheit wenig Hoffnung, so hat man jetzt das Gefühl, dass die Veränderungen innerhalb der IBM Früchte tragen. Noch sind die Veränderungen bei der IBM nicht abgeschlossen. Man kann jedoch hoffen, dass die neue Denkweise „Design Thinking“ im Konzern weiterhin verfolgt wird und somit weiterhin neue, innovative Produkte entwickelt werden, die in hoher Qualität und zeitnah auf den Markt kommen.

Unternehmen, die sich intensiv mit dem integrierten Digitalen Arbeitsplatz der Zukunft auseinandersetzen, sollten sich, egal ob als kleines, mittleres oder sehr großes Unternehmen, mit den aktuellen und den kommenden Lösungen der IBM auseinandersetzen. Der angebotene Ansatz und die dafür bereitgestellten Lösungen, wie Mitarbeiter in einem Unternehmen zusammenarbeiten und Informationen austauschen können, ist nach wie vor einer der modernsten und endlich auch einer der attraktivsten.

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Category: Analysen

Joachim Haydecker

About the Author ()

Joachim Haydecker ist Senior Analyst bei Crisp Research mit dem Fokus auf „Social Collaboration“ und „Talent Management“. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Joachim Haydecker als IT-Analyst, IT-Consultant, Trainer und Coach. Nach seiner Ausbildung zum DV-Kaufmann als Administrator und Entwickler und seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel arbeitete er mehrere Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Inhouse-Consultant für „E-Learning“ an der gleichen Universität. Seit ein paar Jahren entwickelt er gemeinsam mit Unternehmen Konzepte für die Einführung und Etablierung von Social Business Lösungen. Gemeinsam mit Partnern aus seinem Netzwerk hat er zahlreiche Kundenprojekte auf Basis von IBM Produkten implementiert. Darüber hinaus arbeitet er mit Produkten von weiteren Firmen, z.B. Microsoft und Google, sowie verschiedenen OpenSource-Lösungen. Als aktiver Blogger und Netzwerker nutzt Joachim Haydecker die gängigen Social Networks für seine berufliche und private Kommunikation. Als Sprecher und Moderator ist er regelmäßig auf Barcamps und Konferenzen aktiv.

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