HP – Der Schein trügt

Februar 24, 2014 |

Die Quartalszahlen von HP werden von der Börse gut aufgenommen und auch CEO Meg Whitman sieht HP auf einem guten Kurs – völlig zu Unrecht, die Ergebnisse sind nichts anderes als eine Bankrotterklärung des Top-Managements.

Die gezielte Desinformation ist eine der wichtigsten Waffen im Krieg – und an den Finanzmärkten. Solange man den Blick der Finanz-Analysten auf das (un-)Wesentliche lenken kann, hat man als CEO gute Karten damit durchzukommen.  Das Werfen von Nebelkerzen ist also durchaus legitim, wenn auch nicht dauerhaft zielführend. Es könnte vor allem den eigenen Blick mit vernebeln.

HP kämpft schon seit Jahren mit dem Unbill der Märkte. Die Firma hat es geschafft, nahezu jeden Trend der IT-Branche verlässlich zu verschlafen. Seien es Smartphones, Tablets, oder der Umbau weg von der Abhängigkeit vom Hardwaregeschäft.

Die Quittung folgt nun seit gefühlt Dutzenden Quartalen. Der Umsatz schrumpft stetig und HP muss nach und nach Personal abbauen, um überhaupt Gewinne zu erwirtschaften.

Und dennoch lässt Meg Whitman sich jetzt feiern. Die zweijährige Arbeit am Turnaround würde die Basis für eine aufregende Zukunft bilden, so Whitman. Aufregend wird die Zukunft für HP auf jeden Fall, davon ist auszugehen.

Von Turnaround keine Spur

Die HP Quartalszahlen sind auf den ersten Blick gar nicht so schlimm, wie vielleicht mancher befürchtet hatte, allerdings nur auf den ersten Blick.  Der Umsatz liegt mit rund 28 Milliarden Dollar ungefähr auf dem Niveau des entsprechenden Vorjahresquartals und nur leicht unterhalb des letzten. Diesen Umsatz zu erzielen hat allerdings weiter Gewinn gekostet, und das trotz der rigiden Sparpolitik. So ist der operative Gewinn um rund 10 Prozent gesunken, wenn man die Sparte „Corporate Investments“ herausrechnet sogar um fast 20 Prozent. All das wäre aber alleine kein Beinbruch, sondern tatsächlich ein eher normaler Verlauf bei einer Sanierung – und HP ist ein Sanierungsfall.

Nein, was wirklich erschreckt,  ist dass es HP nicht mal ansatzweise gelingt in den wichtigen Zukunftsbereichen Fuß zu fassen.  Software beispielsweise. Dort liegt der Umsatz im letzten Quartal bei mageren 916 Millionen Dollar (minus 4 %), was übrigens nicht viel mehr ist als der Umsatz, den HP mit der Sparte Financial Services macht. Vielleicht sollte HP sein Heil im Bankenbereich suchen? 

Nur das Private-Cloud Geschäft dürfte wachsen

Innerhalb der Software-Sparte konnte einzig der Bereich SaaS um magere 6 Prozent zulegen. Die Marktzahlen von Crisp Research zeigen für diesen Bereich jedenfalls ein Wachstum von fast 50 Prozent. Das heißt, dass die Lücke, die HP zu schließen hat immer größer wird.

Ein ähnliches Bild im Bereich im Bereich „Enterprise Services“. Dort war der Umsatz um 7 Prozent rückläufig. Innerhalb dieser Sparte werden auch die „Enterprise Cloud Services for SAP Applications“ geführt, das nächste eigentliche Wachstumsfeld von HP.

Man muss also konstatieren, dass es HP nicht geschafft hat die Wende zum besseren einzuleiten. Die jetzigen Zahlen zeigen die totale Abhängigkeit vom Hardware-Geschäft. Wie groß in diesem Bereich aber die Verwerfungen derzeit sind haben gerade erst die Geschäftszahlen von IBM und Cisco gezeigt.

Allerdings muss man HP natürlich zugute halten, dass das Cloud-Geschäft zu großen Teilen aus dem Bau von Private-Clouds besteht und da ist HP gut aufgestellt und macht mit Sicherheit auch signifikante Umsätze. Vielleicht sollte man diese einmal getrennt ausweisen.

Hoffnung für die Zukunft?

Angesichts dieser Tatsachen muss man sich ernsthaft Sorgen um die mittelfristige Zukunft des Konzerns machen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Investoren bald die Notbremse ziehen und HP aufspalten. Für die Druckersparte gibt es sicherlich zahlreiche Interessenten aus Fernost.

Es gibt aber natürlich auch Assets bei HP, die die Firma selber einsetzen könnte um endlich zurück auf die Erfolgsspur zu kommen. Der Bau von Private Clouds in Europa boomt und HP hat eigentlich beste Voraussetzungen davon zu profitieren. Auch verfügt HP über einen weltweiten Datacenter-Footprint und somit über Möglichkeiten großen Kunden hybride Cloud-Szenarien zu offerieren.

Und mit der Openstack basierten Public-Cloud hat HP auch hier ein wettbewerbsfähiges Angebot im Portfolio.

Zu guter Letzt hat HP immer noch das Vertrauen eines sehr breiten und diversifizierten Channels. Dieser könnte eine aktive Rolle, gerade beim Ausbau des Cloud-Geschäfts spielen.

Das alles nützt aber wenig, wenn man es nicht versteht die eigenen Waffen richtig einzusetzen und sich überwiegend mit Kostensenkungen und Umstrukturierungen beschäftigt. Die Kunden, die Partner und deren Bedürfnisse müssen endlich wieder in den Vordergrund und nicht die der Finanzmärkte. Dann hat HP auch eine Chance.

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Category: Analysen

Steve Janata

About the Author ()

Steve Janata ist COO und Senior Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Steve Janata als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Fragen des Strategie-, Portfolio- und Channel-Management. Seine Schwerpunktthemen sind Cloud Markt & Wettbewerb, Cloud Security und Cloud Ecosystems. Zuvor leitete er 8 Jahre lang gemeinsam mit Carlo Velten bei der Experton Group die „Cloud Computing & Innovation Practice“ und war Initiator des „Cloud Vendor Benchmark“. Steve Janata engagiert sich politisch im Managerkreis der Friedrich Ebert Stiftung zum Thema Digitale Wirtschaft und Gesellschaft.

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