Deutsche Unternehmen trainieren für den Digitalisierungsmarathon

April 7, 2016 |

Der Marathon ist die größte Herausforderung für die meisten Läufer – Die Digitalisierung für die Unternehmen. Geschäftsmodelle, Prozesse und IT-Infrastrukturen müssen transformiert und an die Erfordernisse des digitalen Zeitalters angepasst werden. So wie ein Marathonläufer im Winter auf dem Laufband für den Wettkampf trainiert, so haben die IT- und Innovationsverantwortlichen ihr Trainingslager für die Digitalisierung in sogenannten „Digital Labs“ aufgeschlagen.

Digital Labs sind Ideen- und Kreativlabore, die Freiräume zum Testen neuer Produkte und Geschäftsmodelle, Zugang zu neuen Technologien, Möglichkeiten zum Experimentieren sowie Impulse von externen Partnern und Startups bieten und somit zu einem wichtigen Baustein einer jeden Digitalisierungs- und Innovationsstrategie werden. Über 60 Digital Labs werden derzeit in Deutschland betrieben bzw. stehen kurz vor der Inbetriebnahme.

Doch wie ist der Entwicklungsstand der Digital Labs? Wie viele DAX 30 Konzerne haben bereits ein Digital Lab eröffnet und wo stehen die meisten Labs in Deutschland?

Im Rahmen des Reports ,,Digital Labs – Deutsche Konzerne auf dem Innovationspfad“ hat Crisp Research im Zeitraum von Januar bis März 2016 eine Recherche zu den aktuell in Betrieb befindlichen Corporate Digital Labs der mittelständischen und Großunternehmen durchgeführt.

Bau-Boom – Der rasante Anstieg der Digital Labs

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Die Digitalisierung der letzten Jahre hat zu einem rasanten Anstieg der Anzahl an Digital Labs beigetragen. Um in der neuen digitalen und vollständig auf Innovationen programmierten Welt weiterhin erfolgreich sein zu können, müssen die Unternehmen und Konzerne ihre Digitalisierungs- bzw. Innovationsstrategie anpassen. Neue Orte und Räume sowie Plattformen und Netzwerke, auf denen sich die digitale Kreativität entfalten kann und der Austausch mit externen Partnern und Ideengebern stattfindet, werden geschaffen.

Aufbau und Betrieb von Digital Labs – Ein Milliarden-Markt

Wird der Entwicklungsstand der Digital Labs in Deutschland von 2012 bis 2015 betrachtet, so lässt sich festhalten, dass sich die Anzahl verdreifacht hat. Und nach Prognose von Crisp Research wird sich der Anteil derjenigen mittelständischen und Großunternehmen, die eigene Digital Labs betreiben, bis 2020 von knapp 60 auf etwa 300 Unternehmen nahezu verfünffachen. Folglich werden die Ausgaben für den Betrieb von Digital Labs in Deutschland auf bis zu rund 1,5 Milliarden Euro jährlich steigen. Denn Personal, IT, coole Räumlichkeiten in den Startup-Metropolen wollen bezahlt bzw. neue Immobilienprojekte zum Aufbau von Digital Labs finanziert sein.

Ansteckungsgefahr – DAX 30-Konzerne im Innovationsfieber

Ob Allianz, Volkswagen oder die Commerzbank – waren es im vergangen Jahr noch ein Drittel, so betreiben Status quo fast zwei Drittel der DAX 30-Konzerne bereits Ideenlabore oder bauen diese gerade auf. Der Anteil der etablierten Digital Labs innerhalb der Dax 30 Konzerne hat sich somit in einem Jahr verdoppelt. Und oh Wunder! Einige der restlichen zehn Konzerne sind im Anmarsch. Fest steht: Das Innovationsfieber ist ausgebrochen, doch wenn gründen, in welcher Form?

Vielfältig – Typen und Ausprägungen von Digital Labs

Crisp Research identifiziert vier Ausprägungsarten der Corporate Digital Labs:

  • Innovation Lab: Innovation Labs sind unternehmenseigene Digital Labs, die kreative Räume für die eigenen Mitarbeiter, teilweise unter Einbeziehung externer Experten, schaffen. Hier wird an neuen Produkt- und Serviceideen sowie neuen Geschäftsmodellen gearbeitet, um das eigene Leistungsportfolio zu erweitern.
  • Company Builder: Ein Company Builder hat die Aufgabe Startups selbst zu initiieren, zu gründen, zu finanzieren und deren erste Wachstumsschritte zu begleiten. Zielsetzung ist es, Unternehmens- oder Geschäftsideen in Form von Spin-Offs oder Tochterfirmen zu realisieren
  • Accelerator: Corporate Accelerator bieten zwei bis dreimal im Jahr mehrmonatige Programme (meist 3-6 Monate) an, für die sich externe Gründerteams und Seed-Stage-Startups bewerben können. Die Startups erhalten Büroräumlichkeiten und Infrastruktur, Mentoring und Business Support sowie manchmal auch Seed-Funding.
  • Inkubator: Inkubatoren funktionieren ähnlich wie Accelerator, sprich es geht darum, sich an schon bestehenden Startups und Gründerteams in den frühen Entwicklungsphasen zu beteiligen. Im Unterschied zum Accelerator haben Inkubatoren aber keinen Programm-Charakter, sondern sind fest institutionalisiert.

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Von den 61 untersuchten Digital Labs lassen sich die meisten entweder als Innovation Lab (46 Prozent) oder als Accelerator (34 Prozent) charakterisieren. Inkubatoren machen 13 Prozent der Stichprobe aus und lediglich 7 Prozent lassen sich als Company Builder einordnen.

Eine elementare Entscheidung bei der Planung und Umsetzung eines Digital Labs ist die richtige Standortwahl, die vielfach den Erfolg bestimmt. Wo die meisten Ideenlabore stehen oder aufgebaut werden, finden Sie hier .

Doch all dies hilft wenig, wenn es an qualifiziertem Personal sowie der richtigen Führung der Labs fehlt. Schließlich ist die Umsetzung der im Digital Lab entstehenden Ideen entscheidend. Management mit Startup-Erfahrung und großem Netzwerk, ein Digital Infrastructure Platform sowie ein gut funktionierender Feedbackprozess, die Kommunikation zurück ins Unternehmen, sind elementar für einen erfolgreichen Aufbau und Betrieb eines Digital Labs. Best Practices hierfür finden Sie im ersten Report „Digital Lab – How to build, how to run“.

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Category: Analysen

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