Cloud Storage Box könnte Dropbox und Microsoft SkyDrive Marktanteile kosten

August 22, 2013 |

Um für private Anwender und kleine Unternehmen attraktiver zu werden, hat der Cloud Storage Anbieter Box sein Preismodell erweitert. Ab sofort kann neben den bestehenden Tarifen für Privatanwender, Business- und Enterprise-Kunden ebenfalls ein Starter-Tarif gewählt werden, der sowohl für kleine Unternehmen und Freelancer aber auch Privatkunden interessant ist.

Privatkunden bekommen mehr kostenlosen Speicherplatz, kleine Unternehmen einen eigenen Tarif

Das Angebot für private Nutzer wurde von ehemals kostenlosen 5GB auf 10GB erhöht. Zudem wurde das Portfolio um einen neuen Starter-Tarif erweitert, der sich insbesondere an kleinere Unternehmen richten soll. Dieser bietet 100GB Speicherplatz für 1 bis max. 10 Benutzer pro Unternehmensaccount für 4EUR pro Benutzer pro Monat.

Box, die in erster Linie große Unternehmen ansprechen, erhofft sich damit, dass kleinere Unternehmenskunden und Endkunden verstärkt ihre Daten in der Cloud speichern, anstatt diese auf fehleranfälligen lokalen Datenträgern speichern bzw. sichern. Nach Aussage von CEO Aaron Levie wird Box insbesondere durch die Themen Informationen und Collaboration vorangetrieben. Ob es sich nun um einen global agierenden Konzern, ein kleines Unternehmen oder einen Freelancer handelt, am Ende geht es darum, dass man in der Lage ist, Inhalte zu teilen und von überall darauf zuverlässig und sicher zuzugreifen, so Levie.

Der neue Starter-Tarif ist nur ein Haken

Man muss ehrlich sagen, dass der neue Start-Tarif sehr interessant ist, da er die Bedürfnisse einer bestimmten Zielgruppe erfüllt. Allerdings handelt es sich dabei nicht um kleine Unternehmen, sondern Freelancer und auf jeden Fall Privatanwender. Die Funktionen die um den Speicherplatz herum angeboten werden sind definitiv auf Unternehmenslevel. Neben diversen Sicherheitsfunktionen (keine Ende-zu-Ende Verschlüsselung) auf unterschiedlichen Ebenen, stehen Integrationsmöglichkeiten über Apps auf Basis eines Ökosystems von externen Entwicklern zur Verfügung. Jedoch sind 100GB für kleine Unternehmen viel zu wenig, zumal dieses Konto für 1 bis 10 Benutzer ausgelegt ist. 10 GB pro Nutzer wird sehr schnell sehr eng. Hinzu kommt, dass viele weitere interessante und wichtige Funktionen für Unternehmen erst mit der nächsten Tarifstufe „Business“ für 12 EUR pro Benutzer pro Monat angeboten werden. Wobei mindestens drei Benutzer einzurichten sind. Dazu gehören dann 1000GB Speicherplatz sowie weitere Sicherheitsfunktionen auf Ordner- und Dateiebene pro Benutzer, Integrationsmöglichkeiten in eine Active Directory, Google Apps und Salesforce, eine erweiterte Benutzerverwaltung usw. Daher muss man zusammenfassend sagen, dass der Starter-Tarif einzig und alleine als Haken dient, um Unternehmen an Land zu ziehen.

Auf der anderen Seite ist dieser Tarif für Privatnutzer und Freelancer sehr interessant, die mehr Funktionen zu einem günstigeren Preis und zu einer ähnlichen Performance benötigen wie bei Dropbox. Denn, zwar wurde der kostenlose Privatkundentarif auf 10GB erweitert, dafür ist aber die kostenlose Obergrenze von 50GB weggefallen. Wer nun mehr als die 10GB benötigt, muss 100GB für 9 EUR pro Monat kaufen. Es macht daher also ebenfalls als Privatnutzer viel mehr Sinn, sich für einen Starter Tarif zu entscheiden und nur 4 EUR pro Monat bzw. 48 EUR pro Jahr zu bezahlen.

Der Starter Tarif kann durchaus dafür sorgen, dass Dropbox und Microsoft SkyDrive Marktanteile verlieren, wenn sich diese Erneuerung herum spricht. Insbesondere SkyDrive sollte sich warm anziehen. Zwar ist Microsofts Cloud Storage gut in die Windows Betriebsysteme integriert und weiterhin der preisgünstigste am Markt. Allerdings ist SkyDrive sehr langsam und die Benutzerfreundlichkeit ist unterdurchschnittlich. Nur um ein winziges aber entscheidendes Detail hervorzuheben, was Box ganz einfach besser macht. Die Transparenz, das was gerade im Hintergrund passiert. Zum Vergleich: Box hat eine kleine App unter Windows in welcher der Status angezeigt wird. Hier ist zu sehen: Der Fortschritt in Prozent; die ungefähre Zeit die noch verbleibt bis der Upload abgeschlossen ist; die Datei die gerade verarbeitet wird; wie viele Dateien noch verarbeitet werden müssen; wie viele Dateien insgesamt verarbeitet werden. Microsoft SkyDrive zeigt nix von alledem an. Man wird als Nutzer vollständig im dunklen stehen gelassen.

Dropbox ist als Performancekönig bekannt. Auch die Benutzerfreundlichkeit ist gut. Dennoch hat der Box Starter Tarif, auf Grund seiner erweiterten Funktionsmöglichkeiten zu einem günstigeren Preis und einer ähnlichen Performance, durchaus das Potential Dropbox Konkurrenz zu machen.

Anmerkung: Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage wird darauf hingewiesen, dass Box ein U.S. amerikanischer Anbieter ist und die Daten in den USA gespeichert werden. Zwar werden diese dort Serverseitig verschlüsselt gespeichert. Box bietet allerdings keine Ende-zu-Ende Verschlüsselung an (nur SSL bei der Übertragung). Die Schlüssel für die auf Box‘ Infrastruktur verschlüsselt gespeicherten Daten befinden sich ebenfalls im Besitz von Box und nicht des Benutzers. Aus diesem Grund hat Box zu jeder Zeit die Möglichkeit Daten eigenständig zu entschlüsseln, um Dritte darauf Zugriff zu gewähren.

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Category: Analysen

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.

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