Cloud Marketplaces sind die Zukunft des Cloud Computing

[ 18 ] September 14, 2012 |

In den letzten Monaten sind vermehrt Cloud Marketplaces erschienen. Dazu zählen u.a. der AWS Marketplace, der Chrome Web Store, der internet4YOU Cloud Marketplace oder der Business Marketplace der Deutschen Telekom. Hier können sich Unternehmen aber auch Endnutzer aus einem Katalog von Services ihr eigenes Produktivätsportfolio zusammenstellen und haben dadurch einen ausgewählten Überblick von möglichen potentiellen Kandidaten.

Marktplätze sorgen für Übersicht

Ein Cloud Marktplatz ist vor allem dadurch charakterisiert, dass er, wie bspw. ein klassischer Webshop, Produkte in Form von Anwendungen aber auch Infrastruktur kategorisiert. Gerade dann wenn sich ein neuer Trend etabliert, schiessen tagtäglich neue Lösungen aus dem Boden. Das macht es für Einkäufer, aber auch Endkunden zunehmend schwieriger, den Überblick über den Markt zu behalten.
Cloud Marktplätze räumen auf und fassen die unterschiedlichen Cloud Angebote thematisch zusammen. Sie bilden quasi ein unabhängiges Ökosystem von Cloud Services.

Die Spreu vom Weizen trennen

Wohlgemerkt gibt es auch viele „schlechte“ Cloud Applikationen auf dem Markt, die keinen echten Mehrwert bieten oder schlicht weg einfach nicht gut durchdacht sind. Cloud Marktplätze helfen, potentielle Top-Applikationen von eher unbedeutenden Services zu trennen. Eine Entscheidungshilfe bieten hier bereits die Betreiber solcher Marktplätze selbst. So sagt die Deutsche Telekom, dass sie über ihren Marktplatz zwar eine Vielzahl von Drittanbieter Lösungen bereitstellen wollen, aber bewusst auf Klasse statt Masse setzen werden. Das birgt natürlich die Gefahr, das potenzielle gute Anwendungen es nicht in den Marktplatz schaffen werden, da diese durch das Raster der Telekom fallen werden. Auf der anderen Seite ist eine Vorauswahl natürlich notwendig, um die Qualität und damit das Ansehen des Marktplatz zu gewährleisten.
Hat es ein Angebot in den Marktplatz geschafft, steht dem Nutzer mit der „Crowd“ ein weiteres Entscheidungskriterien zur Verfügung. Anhand eines Bewertungssystem wird die Qualität und Funktion der Anwendung von anderen Nutzern bewertet und kommentiert und gibt damit ein Stückweit mehr Adaptionshilfe.

Die Reichweite erhöhen

Cloud Marktplätze können vor allem jungen Unternehmen helfen, die über ein geringes Kapital für Werbung und PR verfügen, ihren Bekanntsheitsgrad und die Reichweite zu erhöhen. Aber auch für etablierte Unternehmen, die mit Cloud Angeboten starten, ergeben sich dadurch Chancen, sich einer breiten Masse zu präsentieren und sich vor dem bestehenden Mittbewerb transparent zu bewähren.

Cloud Marketplaces sind keine Cloud Broker

Eines sollten man jedoch beachten. Cloud Markplätze bieten in ihrer reinen Form nur Services und Applikationen an, ohne einen weiteren Mehrwert zu bieten. Anstatt sich bspw. über die Suchmaschine seiner Wahl nach möglichen Angeboten zu informieren und direkt auf die Webseiten der Anbieter zugehen, erfolgt der Zugriff über den Marktplatz. Nach einer ersten Anmeldung über den Marktplatz, kann anschließend auch der direkte Weg zum Anbieter genommen werden. Der Marktplatz dient dann nur noch als Verwaltungsinstrument für die Nutzer und das Hinzufügen oder Kündigen anderer Services.

Cloud Broker Services hingegen integrieren und erweitern mehrere Cloud Angebote und schaffen damit einen Mehrwert um die Cloud Servies herum.
Das Cloud Services Brokerage Modell bietet ein architektonisches-, business-, und IT-Betriebs-Modell, mit dem verschiedene Cloud Services bereitgestellt, verwaltet und adaptiert werden können. Und das sich innerhalb eines föderierten und konsistenten Bereitstellung-, Abrechnung-, Sicherheit-, Administration- und Support-Framework befindet. Unternehmen werden damit in die Lage versetzt, ihr Cloud-Services Management zu vereinheitlichen, um damit den Innovationsgrad zu erhöhen, die globale Zusammenarbeit zu verbessern, die Betriebskosten zu senken und insgesamt besser zu wachsen. Cloud Computing Anbieter erhalten damit die Möglichkeit die Bereitstellung ihrer Cloud Services zu vereinheitlichen und ihr eigenes Services Netzwerk zu differenzieren und damit eine umfangreiche Cloud Computing Plattform bereitzustellen. Technologie-Anbieter können damit ein Ökosystem von Mehrwertdiensten aufbauen, um ihre wichtigsten Angebote zu differenzieren, die Kundenbindung erhöhen und neue Vertriebswege erschließen.

Cloud Marketplaces sind ein logischer Trend

Cloud Marketplaces gehören zu der logischen Entwicklung des Cloud Computing, um Unternehmen und Entwickler den einfachen Zugriff auf IT-Ressourcen zu ermöglichen. Neben einer gut dokumentierten API gehören ebenfalls übersichtliche und umfangreiche Web-Oberflächen zu einem guten Cloud Angebot, die es dem Nutzer ermöglichen sich „auch mal eben“ eine Cloud Infrastruktur „zusammenzuklicken“, um z.B. ein paar Tests durchzuführen. Bereits viele Anbieter sind auf diesen Zug aufgesprungen und ermöglichen über einen eigenen Cloud Marktplatz den Zugriff auf ihre IaaS-Ressourcen. Zudem reichern sie ihre Infrastruktur-Angebote über den Marktplatz mit Betriebssystem-Images oder weiteren Software-Lösungen an, um den virtuellen Ressourcen damit einen echten Nutzen zu geben.

Unternehmen können sich einen Cloud Marketplace vorstellen wie mehrere Regal in einen quasi unendlich großen Supermarkt. Und genau so sollten sie ihn auch nutzen, um sich ihre Infrastruktur beliebig zusammenzubauen. Spannend wird es, wenn wir einen Schritt weitergehen und die Ressourcen und Lösungen nicht mehr nur von einem einzigen Anbieter beziehen, sondern über mehrere Anbieter oder deren Marktplätze, wo wir uns dann beim Thema Cloud Brokerage Services – siehe oben – befinden.


Bildquelle: Wikipedia

Tags: , , , ,

Category: Analysen

René Büst

About the Author ()

Rene Buest is Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, covering cloud computing, IT infrastructure, open source and Internet of Things. Prior to that he was Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene Buest is top cloud computing blogger in Germany and one of the worldwide top 50 bloggers in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional cloud computing and technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn.

Comments (18)

Trackback URL | Comments RSS Feed

  1. C. Kloes sagt:

    Sehr guter Artikel, der zeigt wo die Reise hingeht. Über kurz oder lang ist mit einem Amazon für Cloud Services zu rechnen… moment, gibt’s ja irgendiwe schon :)

  2. Roland Judas sagt:

    Das Thema Cloud Marketplaces im Sinne von ‚Cloud App Stores‘ ist aus Anwendersicht die wichtige Facette des Themas. Ähnlich wie in anderen Branchen, z. B. Travel durch Angebote wie Expedia und HRS geprägt wurden, werden Marketplaces auch das Cloudcomputing verändern. Es wird an dabei verschiedene Typen von Marketplaces geben, für SaaS bzw. Cloud Apps genauso wie unabhängige Marketplaces, auf denen man aus verschiedenen IaaS-Anbietern wählen kann, je nach benötigter Qualität der Clouddienste.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.